_

Klimagipfel: „Eine Road-Map wäre schon ein Fortschritt“

Ottmar Edenhofer ist Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und einer der Vorsitzenden im Weltklimarat (IPCC). Im Interview mit dem Handelsblatt warnt er davor, den Weltklimagipfel in Kopenhagen bereits abzuschreiben und erklärt, was bis 2020 in der Klimapolitik erreicht werden muss.

Ottmar Edenhofer: "Auch der erste Schritt in die richtige Richtung ist ein guter Schritt." Quelle: dpa
Ottmar Edenhofer: "Auch der erste Schritt in die richtige Richtung ist ein guter Schritt." Quelle: dpa

BERLIN. Ein völkerrechtlich bindendes Abkommen als Ergebnis des Weltklimagipfels in Kopenhagen wird immer unwahrscheinlicher. Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und einer der Vorsitzenden im Weltklimarat (IPCC), warnt im Gespräch mit Handelsblatt-Korrespondent Klaus Stratmann davor, den Gipfel abzuschreiben.

Anzeige

Handelsblatt: Die Angst vor einem Scheitern des Kopenhagener Klimagipfels wächst. Teilen Sie die entsprechenden Befürchtungen?

Ottmar Edenhofer: Ehe wir jetzt beginnen, Beerdigungen erster Klasse zu organisieren, sollten wir zunächst mal mit den Verhandlungen in Kopenhagen beginnen. Wenn der Gipfel zumindest eine Road-Map festlegt, wäre das schon ein Fortschritt. Auch der erste Schritt in die richtige Richtung ist ein guter Schritt.

HB: Welche Eckdaten müsste eine solche Road-Map festlegen, wenn das Ziel erreicht werden soll, dass der globale Temperaturanstieg den Wert von zwei Grad gegenüber vorindustrieller Zeit nicht überschreitet?

Edenhofer: Die Festlegung auf das Ziel, bis zum Jahr 2100 weltweit nicht mehr als 830 Gigatonnen Kohlendioxid zu emittieren. Wenn man diesen Wert einhält, liegt die Wahrscheinlichkeit, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, bei 75 Prozent.

HB: Wie geht es dann weiter?

Edenhofer: Wir müssen bis 2020 ein globales Abkommen haben, das einen globalen Emissionshandel vorschreibt. Bis dahin muss auch die Verteilung der Reduktionsziele auf die Nationalstaaten erfolgt sein. Es muss sich einfach die Erkenntnis durchsetzen, dass wir die Erde nur begrenzt als Kohlendioxiddeponie nutzen können. Dazu müssen wir mit der Ehrlichkeit eines Insolvenzverwalters bilanzieren, wie es um den Zustand des Klimas bestellt ist.

HB: Noch ist ein globaler Emissionshandel nicht in Sicht. Ist der europäische Emissionshandel als isoliertes System überhaupt zukunftsfähig?

Edenhofer: Nein. Der Emissionshandel muss regional erweitert werden. Ein transatlantischer Kohlenstoffmarkt würde das System enorm aufwerten. Langfristiges Ziel ist ein weltweiter, vereinheitlichter Handel mit Emissionszertifikaten.

HB: Welche Rolle spielt China bei den internationalen Klimaschutzbemühungen?

Edenhofer: Eine entscheidende. Wenn China als Werkbank der Welt nicht mitspielt, sind all unsere Bemühungen Makulatur. Der Großteil der Produktion langlebiger Konsumgüter hat sich längst nach China verlagert. China führt heute über Produkte wie Mobiltelefone, Flachbildschirme oder Computer den Löwenanteil seiner Kohlendioxidemissionen in die Industriestaaten aus. Das Land ist der größte Netto-Exporteur von Kohlendioxid.

HB: Was soll China motivieren, eine aktive Rolle im Klimaschutz zu spielen?

Edenhofer: Die Verantwortlichen in China haben längst erkannt, dass sie umsteuern müssen. Sie haben erkannt, dass sie mit ihrer bisherigen Form des Wirtschaftens an Grenzen stoßen.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.