Klimagipfel
Wirtschaft fordert globalen Emissionshandel

In der Wirtschaft wächst die Angst vor allzu großen Zugeständnissen Deutschlands und der Europäischen Union bei den Klimaverhandlungen in Kopenhagen. Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), sieht alle großen Volkswirtschaften in der Pflicht. Ein Durchbruch steht aus.
  • 0

KOPENHAGEN. Das neue Klimaregime muss alle großen Emittenten und alle Industriesektoren gleichermaßen in die Pflicht nehmen“, sagte Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), dem Handelsblatt. Wirksamer Klimaschutz sei nur möglich, „wenn alle großen Volkswirtschaften an einem Strang ziehen“.

Der BDI hatte in den vergangenen Monaten stets die mit dem Klimaschutz verbundenen wirtschaftlichen Chancen hervorgehoben. Allerdings sieht der Industrieverband durchaus auch Probleme, die sich für bestimmte Branchen ergeben, wenn sich Deutschland und die EU zu strengen Klimaschutzzielen verpflichten, die USA und China aber nur schwache Zusagen machen. Das Angebot der USA beinhaltet im Moment nur Kohlendioxidreduktionen von 17 Prozent bis 2020 gegenüber 2005. Gemessen am Basisjahr 1990, das die Europäer als Maßstab anlegen, entspricht dies Reduktionen von weniger als vier Prozent. Die Europäer bieten 20 Prozent an, im Fall eines verbindlichen Abkommens sogar 30 Prozent. Deutschland geht mit 40 Prozent voran. Ob die EU am Ende 20 oder 30 Prozent anbieten wird, soll sich im Rahmen eines informellen Treffens der EU-Regierungschefs am Rande der Kopenhagener Konferenz Ende der Woche klären.

In der deutschen Regierungsdelegation herrscht zwar die Überzeugung, dass das Angebot der Amerikaner nicht ausreicht. Wirtschaftsvertreter sehen aber die Gefahr, dass die Europäer sich am Ende auf weitgehende Verpflichtungen ohne große Gegenleistungen von Amerikanern und Chinesen einlassen könnten, nur um den Abschluss eines Abkommens nicht zu gefährden.

Entscheidende Gipfelphase läuft an

Der Gipfel geht in dieser Woche in seine entscheidende Phase. Zuletzt waren die Verhandlungen ins Stocken geraten. Afrikanische Staaten kritisierten, der Westen wolle die Verbindlichkeit der geplanten neuen Klimaziele aufweichen. Der EU-Verhandlungsführer, Schwedens Umweltminister Andreas Carlgren, bemühte sich gestern, die Bedenken der Entwicklungsländer zu zerstreuen: „Wir sind hier, weil wir für alle rechtsverbindliche Ziele wollen, von nichts anderem reden wir“, sagte Carlgren. Man müsse den konstruktiven Dialog beschleunigen, frühere Blockaden seien frustrierend gewesen: „Ohne Dialog bekommen wir kein Ergebnis.“

Umweltschützer äußerten sich am Dienstag zurückhaltend zum Stand der Verhandlungen. Bisher gebe es in keinem Bereich eine Einigung. Nach Angaben des Umweltschutz-Netzwerks Climate Action Network (CAN) gibt es auf dem Gipfel vor allem zwei Probleme. Zum einen fehle das Vertrauen, zum anderen gebe es Zweifel an der langfristigen Finanzierung von Klimahilfen für die ärmeren Länder. Hier seien vor allem Deutschland, die USA und Japan am „wenigsten hilfreich“, sagte ein Sprecher.

Seite 1:

Wirtschaft fordert globalen Emissionshandel

Seite 2:

Kommentare zu " Klimagipfel: Wirtschaft fordert globalen Emissionshandel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%