Klimagipfel
Wirtschaft pocht auf strengen Klimaschutz

Deutsche Unternehmen erhoffen sich von international verbindlichen Zielen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen Schub für ihr Geschäft. Mit Sorge betrachten sie daher die schwierigen Verhandlungen im Vorfeld des Gipfels von Kopenhagen.

BERLIN. Die deutsche Wirtschaft warnt vor einem Scheitern des bevorstehenden Weltklimagipfels. Denn immer mehr Unternehmen begreifen das Thema Klimaschutz mehr als Chance denn als Belastung. Er wünsche sich vom Kopenhagener Gipfel "ein klares Signal für ein verbindliches, starkes und faires Abkommen zum Klimaschutz", sagte Siemens-Chef Peter Löscher dem Handelsblatt. Es lohne sich, "alle Kräfte zu bündeln, um dieses Ziel zu erreichen".

Löscher liegt damit auf der Linie des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf mahnte, für die Industrie sei ein erfolgreicher Abschluss der Kopenhagener Konferenz von entscheidender Bedeutung. Der neue Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte der Industrie Unterstützung zu. Er strebe einen gemeinsamen, global verbindlichen Wettbewerbsrahmen an, sagte Röttgen dem Handelsblatt.

Löscher und Schnappauf stehen für einen Sinneswandel der Wirtschaft. In der Vergangenheit hatte sich der BDI oft schwergetan, in Sachen Klimaschutz klar Stellung zu beziehen. Grund ist die Mitgliederstruktur: Es gibt immer noch eine Reihe von Branchen, die den Klimaschutz in erster Linie als Kostentreiber begreifen. Doch eine wachsende Zahl von Mitgliedsverbänden sieht nun eher die Chancen. Dazu zählen etwa der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). ZVEI-Geschäftsführer Klaus Mittelbach sagte, Klimaschutz sei für seine Branche ein Gewinnerthema: "Unsere Unternehmen bieten die Technik an, die den effizienten und damit klimaschonenden Einsatz von Energie ermöglicht."

Wichtige Impulse für den Klimaschutz müssen nach Überzeugung der Unternehmen vom Kopenhagener Gipfel im Dezember ausgehen. Ziel des Gipfels ist ein verbindliches Abkommen, das das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen soll. Die letzte Vorkonferenz unter dem Dach der Vereinten Nationen findet in dieser Woche in Barcelona statt. Die Aussichten für einen Durchbruch gelten allerdings als gering. Zuletzt hatte der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, erklärt, ein ratifizierungsfähiges Abkommen sei in Kopenhagen nicht mehr zu erreichen. Auf einer Pressekonferenz in Washington warnte Barrosa am Dienstag davor, dass sich die Verhandlungen ähnlich lange hinziehen könnten wie die sogenannte Doha-Runde über den Abbau von Handelsschranken. Die Doha-Verhandlungen laufen bereits seit 2001.

Die Unternehmen betrachten solche Äußerungen mit Sorge. "Es wäre fahrlässig, den Gipfel von Kopenhagen jetzt schon verlorenzugeben", sagte Mittelbach. Auch Schnappauf warnte vor Pessimismus. Die politische Grundeinstellung vor allem in den USA habe sich entscheidend verändert. Die Haltung der USA gilt als entscheidend für Erfolg oder Misserfolg in Kopenhagen.

Minister Röttgen sagte, er setze darauf, "dass die Technologienation USA genau zu der Erkenntnis kommt, zu der Europa und auch die Chinesen gekommen sind". Durch die Verteidigung von Rückständigkeit ließen sich "höchstens noch zwei, drei Jahre Wettbewerbsvorteile erreichen", sagte Röttgen mit Blick auf die USA.

Aus Sicht von Siemens-Chef Löscher hat die Umwelttechnik das Potenzial, Wachstumstreiber des 21. Jahrhunderts zu werden. "Schon heute ist Deutschland hier weltweit die Nummer eins", sagte Löscher. Verschiedene Studien bestätigen das Potenzial. So schätzt etwa die Unternehmensberatung Roland Berger, dass die Umwelttechnik bereits im Jahr 2020 den Fahrzeug- und den Maschinenbau als klassische Leitindustrien überflügeln wird.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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