Klimaschutz lohnt sich
Chancen einer Jahrhundertaufgabe

Was heute wie eine Legende klingt, war lange Zeit vorherrschende Meinung vieler Ökonomen: Klimaschutz sei vor allem eine ökonomische Last. Klimaschutz ist eine volkswirtschaftlich sinnvolle Investition, und für viele Branchen ergeben sich neue Geschäftsfelder, von denen deutsche Unternehmen profitieren können.

Klimaschutz sei vor allem eine ökonomische Last. Das war lange Zeit die vorherrschende Meinung vieler Ökonomen. Getreu diesem Votum weigerte sich die US-Regierung, internationale Verpflichtungen zum Klimaschutz wie das Kyoto-Protokoll zu unterschreiben. Auch Australien, die Opec und andere einflussreiche Profiteure fossiler Energieträger wie Exxon liefen Sturm gegen aktiven Klimaschutz.

Heute wissen wir, dass der notwendige Hechtsprung der Menschheit ins nachfossile Zeitalter weltwirtschaftlich einen riesigen Nettonutzen erbringen würde, während die ungeklärte Verteilung von Kosten und Nutzen auf Generationen, Länder, Regionen und Branchen forcierten Klimaschutz erschwert. Aber diese Verteilungseffekte können transparent gemacht werden: Ambitionierter Klimaschutz bedeutet in ökonomischer Hinsicht das größte Neubau- und Umstrukturierungsprogramm, das die Weltwirtschaft je erlebt hat. Wie bei jedem Strukturwandel gibt es dabei Verlierer, eindeutige Gewinner aber wären die Menschheit (vor allem spätere Generationen), die Weltwirtschaft und die überwiegende Mehrheit von Branchen und Unternehmen.

Klimaschutz heißt, Märkte für Energieeffizienz und erneuerbare Energien forciert zu entwickeln, Energieimportabhängigkeit zu reduzieren, zu mehr Versorgungssicherheit und weniger Konfliktanfälligkeit beizutragen, Öl-, Gas- und Kohleimporte und den Abfluss von Kapital durch inländische Wertschöpfung zu ersetzen. Dieser Modernisierungsschub hätte auch ohne das Klimaproblem wirtschaftlichen Sinn. Das gilt auch für Entwicklungsländer, weil zum Beispiel der Sprung auf modernste Energiespartechnik und auf erneuerbare Energien („leapfrogging“) die sonst notwendigen teuren und riskanten Zuwächse fossiler oder nuklearer Energien drastisch reduziert.

Im Januar 2007 appellierten zehn US-Weltkonzerne auf dem Davoser Wirtschaftsgipfel an die Bush-Administration, endlich drastische CO2-Reduktionsziele (minus 60 Prozent bis 2050) anzustreben und Leadership beim Klimaschutz zu praktizieren. Ende Februar haben mehr als 100 Weltkonzerne als Mitglieder des „Global Round Table on Climate Change“ einen gemeinsamen Aufruf für forcierten Klimaschutz vorgelegt. Sie haben verstanden, dass die Losung „Mehr Profit durch Klimaschutz“ nur scheinbar paradox ist. Schon seit Ende der 80er-Jahre hatten Visionäre wie Amory Lovins und Experten der deutschen Klima-Enquetekommissionen argumentiert, dass die Kräfte des Marktes für den Klimaschutz arbeiten können.

Global gesehen, bedeutet forcierter Klimaschutz einerseits, dass die Menschheit in einem noch nie da gewesenen Großexperiment und Tempo ihre Produktions- und Konsummuster im Durchschnitt um mindestens 50 Prozent, in den Industrieländern sogar um 80 Prozent „entkarbonisieren“ muss. Das Weltmarktvolumen der Verkäufer und Weiterverarbeiter fossiler Energieträger (Kohle, Öl, Erdgas) muss also zwangsläufig innerhalb weniger Jahrzehnte drastisch sinken. Ohne eine forcierte Diversifizierung und Erschließung neuer Geschäftsfelder werden die betroffenen Unternehmen zu Verlierern.

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