Klimaschutz
Merkel: Auto nicht zum „Buhmann der Nation“ machen

Bundeskanzlerin Angela Merkel springt für die Autoindustrie in die Bresche. Sie rief jetzt in der Klimaschutz-Debatte dazu auf, das Auto nicht zum „Buhmann der Nation“ zu machen.

HB KÖLN. „Deutschland und die Automobilindustrie sind aufs Engste verbunden“, sagte Merkel während eines Besuchs in der Europazentrale des Autobauers Ford in Köln. „Ich halte nichts davon, eine Branche - oder da auch noch bestimmte Segmente - in einer bestimmten Weise zu reglementieren. Europa darf nicht in Nachteil gegenüber anderen Regionen der Welt geraten.“

Die Autoindustrie tue viel für den Klimaschutz, lobte Merkel. „Ich finde es wirklich beeindruckend, welche Fortschritte hier erzielt wurden. Es ist doch eigentlich interessant, wie die verschiedenen technischen Innovationen ineinandergreifen.“ Selbstverständlich müssten alle Möglichkeiten zur Senkung des CO2-Ausstoßes geprüft werden, aber dabei müsse man auch realistisch bleiben. „Wir wissen, dass wir ein bestimmtes Zeitfenster haben, um die Herausforderungen des Klimaschutzes zu bewältigen, und wir müssen dieses Zeitfenster nutzen, aber wir müssen natürlich auch die Entwicklungsdauer berücksichtigen“, sagte Merkel. Die Politik dürfe der Autoindustrie keine unrealistischen Zeitvorgaben machen, da dies extreme Kosten mit sich bringen würde.

Auch der deutsche Ford-Chef Bernhard Mattes betonte, die Industrie benötige angemessene Vorlaufzeiten: „Denn Fahrzeuge haben einen Entwicklungsvorlauf und Produktionszeitraum von insgesamt rund zehn Jahren.“ Mattes bat Merkel, sich innerhalb der Europäischen Union für eine stärkere Angleichung der nationalen Gesetze und Bestimmungen einzusetzen. „Als exportorientiertem Unternehmen am Standort Deutschland macht uns der Flickenteppich nationaler Besonderheiten wirklich zu schaffen“, sagte er. Merkel versicherte ihm, sich in der EU weiter für vergleichbare Standards einsetzen zu wollen. Die Bundesregierung wolle auf jeden Fall, dass in Deutschland weiter Autos produziert werden könnten.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) warnte vor dem Glauben, Deutschland könne zu einer reinen Dienstleistungsgesellschaft werden. „Irgendwo muss es auch noch Menschen geben, die in der realen Ökonomie Produkte - zum Beispiel Autos - herstellen“, sagte er.

Merkel und Rüttgers besichtigten in Köln das Entwicklungszentrum von Ford. Am Standort Köln arbeiten 17 300 Menschen für den Autobauer. Ford war 1931 vom damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer an den Rhein geholt worden.

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