Klimawandel
Versicherungen gegen Stürme, Überschwemmungen, Dürren

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Die wahren Kosten des Klimawandels

Durch den Klimawandel werden sich Extremwetterereignisse in Zukunft nicht nur häufiger auftreten, sondern auch intensiver ausfallen. Entwicklungsländer sind davon besonders stark betroffen und leiden - gemessen an ihrer Wirtschaftskraft - stärker unter den Folgen von Naturkatastrophen als Industrieländer. Laut KfW-Banker Nagel leiden 40 Prozent der Menschen in einkommensschwachen Ländern jedes Jahr unter Überschwemmungen, Dürren oder Stürmen. Die Kosten sind immens. In Potsdam konferieren derzeit bis Freitag an die 500 Wissenschaftler aus aller Welt über „die wahren Kosten des Klimawandels“. Es gehe um mehr als nur Dollars, sagt etwa Stéphane Hallegatte von der Weltbank, ein Redner der vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) organisierten Konferenz. Die globale Erwärmung, so die Botschaft aus Potsdam, führe indes nicht nur zu erheblichen ökonomischen Schäden, sie schade auch der Gesundheit der Menschen, verstärke die Treiber von Migration und setze Entwicklungsperspektiven für die Ärmsten aufs Spiel.

Deutschland, als Industrieland einer der großen Emittenten von Luftschadstoffen, ist vorne mit dabei, das Thema Klimarisikoversicherungen anzutreiben. Nach Darstellung der Umweltorganisation Germanwatch sind in den vergangenen Jahren einige interessante Beispiele entstanden, die unter dem Stichwort Klimaversicherung zusammengefasst werden könnten. Ein Beispiel ist die African Risk Capacity (ARC), in die auch afrikanische Länder einzahlen. Immer wieder konnte bei Dürren in afrikanischen Ländern nicht rechtzeitig oder nicht ausreichend Geld mobilisiert werden, um auf Hungerkatastrophen angemessen zu reagieren, erklärt Sönke Kraft von Germanwatch.

Im Falle einer Dürre bezahle diese Versicherung zweckgebunden und nach vorher ausgehandelten Plänen Nothilfemaßnahmen. Auch nach Darstellung der KfW hat ARC ihre Wirksamkeit bereits unter Beweis gestellt: In Niger, Mauretanien und Senegal trat 2015 der Dürrefall ein und ARC zahlte rund 26 Millionen US-Dollar aus. 2016 wurden 8,1 Millionen US-Dollar an Malawi ausgezahlt. Durch die Vorabplanung der Nothilfemaßnahmen und die schnelle, berechenbare Bereitstellung der Mittel sei die Hilfe schnell bei den Bedürftigen angekommen, sagte Nagel. Insgesamt realisiert die KfW im Auftrag der Bundesregierung derzeit insgesamt sechs Klimarisikoversicherungsvorhaben in Entwicklungs- und Schwellenländern mit einem Gesamtvolumen von mehr als 200 Millionen Euro.

Den Klimawandel aufzuhalten, fällt schwer. Die Anstrengungen in Deutschland, für besseres Klima zu sorgen, kommen kaum voran. Dass das selbstgesteckte Klimaziel für 2020 wohl verfehlt wird, ist keine Neuigkeit - wohl aber, in welcher Größenordnung. Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung ist ohne Nachsteuerung bestenfalls ein Minus der klimaschädlichen Emissionen um 32,5 Prozent zu erwarten - statt der angestrebten 40 Prozent im Vergleich zu 1990. „Eine Zielverfehlung in einer solchen Größenordnung wäre für die Klimaschutzpolitik Deutschlands ein erheblicher Rückschlag“, heißt es in einem Papier des Bundesumweltministeriums (BMUB), auf das sich die Zeitung beruft.

Damit stellt sich das Ministerium unter Führung von SPD-Politikerin Barbara Hendricks (SPD) selbst ein schlechtes Zeugnis für die vergangene Legislaturperiode aus. Schließlich ist es das Umweltministerium, das den Kampf gegen die Erderwärmung vorantreiben muss. Für die Grünen, die möglicherweise in den nächsten Jahren das Umweltressort führen, war die Nachricht am Mittwoch eine durchaus willkommene: Die Aufgabe der nächsten Bundesregierung sei klar, mahnte Fraktionschef Anton Hofreiter: sie müsse die Lücke schnellstmöglich schließen. Dazu brauche es ein schnelles Einleiten des Kohleausstiegs, eine Beschleunigung der Energiewende und mehr Tempo beim Umstieg auf nachhaltige Mobilität. „Dafür werden wir in Sondierungsgesprächen kämpfen.“

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

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