Klimawandel
Umweltpolitiker sagen Glühbirnen den Kampf an

Die Glühbirnen-Debatte geht in die nächste Runde: Nach der Verbotsankündigung in Australien hat sich in den USA eine private Kampagne für die Verwendung von Energiesparlampen gebildet. Auch deutsche Umweltpolitiker machen mobil und verlangen, Glühbirnen hierzulande zu verbieten. Die deutsche Elektrobranche hätte nichts dagegen.

HB SAN FRANCISCO. Nach der Ankündigung der australischen Regierung, im Kampf gegen den Klimawandel herkömmliche Glühbirnen zu verbieten, ist in Deutschland und den USA eine Diskussion über einen ähnlichen Schritt entbrannt. In den Vereinigten Staaten bildete sich eine Initiative mit dem Namen 18 Sekunden - so lange soll es dauern, bis eine Glühbirne aus der Fassung geschraubt und durch eine Energiesparlampe ersetzt wird.

Vor dem Start der Kampagne am Donnerstag in der kalifornischen Stadt San Jose sagte der Mitbegründer des Internet-Unternehmens Yahoo, David Filo, auch eine kleine Änderung im Lebensstil könne in der Summe von großer Bedeutung sein. Neben Yahoo sind an der Aktion auch der Einzelhandelskonzern Wal-Mart, Umweltgruppen und kirchliche Organisationen sowie die Umweltbehörde EPA und das Energieministerium beteiligt. Wie Australien lehnen auch die USA das Klimaschutzabkommen von Kyoto mit seinen konkreten Zielvorgaben für die Drosselung von Treibhausgasen ab.

In Deutschland wird ebenfalls eifrig diskutiert. Allerdings will die Politik hierzulande zunächst nicht zu drastischen Maßnahmen greifen. „Glühbirnen bei uns zu verbieten geht aus europarechtlichen Gründen nicht“, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. Für eine Verbesserung der Energieeffizienz müsse man das Mögliche im Blick haben.

Der Verbraucherschutz-Staatssekretär Peter Paziorek (CDU) setzte sich dagegen für die verbindliche Nutzung von Energiesparlampen ein. Auch Umweltpolitiker von SPD und Grünen forderten, dem australischen Beispiel zu folgen. Die Elektrobranche zeigte sich offen gegenüber dem Vorstoß.

Die deutsche Elektrobranche könnte sich ein Verbot herkömmlicher Glühbirnen aus Klimaschutzgründen ebenfalls vorstellen. „Die Tendenz bei uns ist, dem Beispiel Australiens zu folgen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes ZVEI, Gotthard Graß. Allerdings brauche die Industrie eine Übergangszeit, um die Produktion komplett auf Energiesparbirnen umzustellen.

ZVEI-Präsident Friedhelm Loh kündigte an: „Wir werden das mit der Politik diskutieren und sicher schnell eine Lösung finden.“ Ganz generell verspreche sich die Elektrobranche von der Klimaschutzdiskussion ein zusätzliches Geschäft. Die Politik außerdem könne Konsumenten und Industrie mit steuerlichen Anreizen zum Energiesparen motivieren.

Ein Verbot von Glühbirnen könnte nach Schätzung der Deutschen Energieagentur den privaten Stromverbrauch in Deutschland um sechs Prozent verringern. Die Haushalte würden vier Millionen Tonnen weniger Treibhausgase produzieren, wenn Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt würden, sagte Dena-Expertin Annegret Agricola. „Das wäre eine nennenswerte Größe.“

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