KMK-Beschluss
Wirtschaft lobt Reform des Bachelors

Die Wirtschaft ist positiv überrascht von den Reformvorstößen der Kultusminister für das Bachelorstudium. Diese empfehlen den Hochschulen „nachdrücklich“, die Inhalte des Studiums mit möglichen Arbeitgebern zu diskutieren und die Absolventen auch auf die Option der Selbstständigkeit vorzubereiten.
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BERLIN. Die deutsche Wirtschaft hat die Reformvorstöße der Kultusminister für das Bachelorstudium positiv aufgenommen. „Besonders positiv ist der nachdrückliche Appell der Minister an die Hochschulen, dass sie ihre Studieninhalte mit der Wirtschaft diskutieren sollen“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Hans Heinrich Driftmann dem Handelsblatt.

In ihrem jüngsten Beschluss schlägt die Kultusministerkonferenz (KMK) in der Tat neue Töne an: Es sei „unverzichtbar, dass die neuen Studiengänge, „uneingeschränkt von der Wirtschaft mitgetragen werden“, heißt es. Deshalb empfehlen sie den Hochschulen „nachdrücklich“, die Inhalte des Studiums „mit möglichen Arbeitgebern zu diskutieren, die Alumni einzubinden und die Absolventen auch auf die Option der Selbstständigkeit vorzubereiten“.

Die Agenturen, die die neuen Studiengänge begutachten, sollen diese penibel darauf hin prüfen, ob die Studenten damit praxistauglich sind. „Beides zusammen wird dazu führen, dass die Akzeptanz der neuen Abschlüsse bei Unternehmen und Studenten wächst“, zeigte sich Driftmann überzeugt. Die vielen Defizite der neuen Studienstruktur hatte im Sommer zu heftigen Protesten der Studenten geführt. Auch die Wirtschaft forderte eine Reform der Bologna-Reform: teilweise sei das Studium zu kurz, andererseits aber mit nicht relevantem Wissen überfrachtet.

Nun zeigt sich auch der Verbindungsmann von Arbeitgebern und Industrie und Hochschulen, Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger erfreut. „Den Worten der Kultusminister müssen aber Taten folgen“, sagte er dem Handelsblatt: „Mehr Mobilität, mehr Flexibilität und eine bessere Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen sind nur erreichbar, wenn Politik und Hochschulen die Überregulierung und Überfrachtung von Studiengängen so schnell wie möglich abbauen.“

Konkret empfehlen die Kultusminister den Hochschulen vor allem, das Bachelorstudium künftig im Zweifel eher länger zu konzipieren – bis hin zu acht Semestern. Es bleibe aber dabei, dass Bachelor und Master zusammen maximal zehn Semester dauern dürfen. Daneben sollen die Hochschulen die Stofffülle in den Studiengängen reduzieren und die enorme Zahl der Prüfungen senken.

Schon heute sind Hochschulen frei, Bachelor-Studiengänge auf sechs, sieben oder acht Semester anzulegen. In der Regel dauern sie aber sechs Semester und sind häufig mit Stoff überfrachtet.

Ziel der Kultusminister ist es, dass der überwiegende Teil der Bachelorabsolventen zunächst einmal in die Praxis geht. So soll ein zentrales Ziel der Bologna-Reform erreicht werden, die bisher überlangen Studienzeiten in Deutschland zu verkürzen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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