Knapp 1500 Christsoziale ausgetreten
Stoiber-Krise kostet CSU Mitglieder

Während sich der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber langsam auf seinen politischen Rückzug vorbereitet leidet die CSU unter einem Mitgliederschwund.

HB MÜNCHEN. Im Zuge der Führungskrise um den bayerischen Ministerpräsidenten hat die CSU knapp 1500 Mitglieder verloren. In diesem Jahr seien bereits 1453 Mitglieder ausgetreten, knapp ein Prozent der 166 000 Christsozialen, teilte die Partei am Donnerstag. Mehrere Kreisvorsitzende hatten in den vergangenen Wochen über Austritte berichtet. Darunter waren den Angaben zufolge sowohl verärgerte Stoiber-Anhänger als auch Stoiber-Kritiker. Die einen verließen die Partei, weil der Ministerpräsident und Parteichef zunächst nicht gehen wollte, die anderen, weil er zum Rückzug gezwungen wurde.

Der noch bis September im Amt befindliche Stoiber selbst appellierte an verärgerte Mitglieder, der Partei nicht den Rücken zu kehren. „Meine ganz herzliche und persönliche Bitte ist: Die CSU muss als einmalige Gemeinschaft beieinander bleiben! Das ist das entscheidende Thema und wichtiger als persönliche Interessen“, sagte Stoiber. Die Entscheidung über die neue Führung der CSU falle erst im September. Daran sollen alle mitwirken.

Auch CSU-Generalsekretär Markus Söder bestätigte dem „Münchner Merkur“ Unmut an der Basis: „Wir haben viele Briefe bekommen“, sagte er. „Dabei geht es vor allem um die Frage, wie manche in der Partei mit Edmund Stoiber umgegangen sind.“ Auch in der CSU-Landtagsfraktion gebe es inzwischen viele Abgeordnete, die den Sturz Stoibers bei der Fraktionsklausur im Januar in Wildbad Kreuth bedauerten.

Abschiedstour im Ausland

Bayerns Ministerpräsident Stoiber packt derweil seinen Koffer. An diesem Wochenende tritt er eine der längsten Auslandsreisen seiner Amtszeit an: Elf Tage reist er in Begleitung seiner Frau Karin und einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation durch Südkorea, Vietnam, Singapur und Indien. Weit weg vom heimatlichen Hickhack um seinen Nachfolger als CSU-Chef kann sich Stoiber in den asiatischen Boomländern noch einmal als Staatsmann präsentieren. Geplant war die Reise lange vor seiner Rücktrittsankündigung als Aufbruch in die High-Tech-Welt - jetzt bekommt sie den Charakter einer Abschiedstournee. Sentimentalitäten lässt Stoiber aber nicht zu. „Da ist keine Wehmut“, sagt er.

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