Knapp vor Merkel und Schröder
Fischer gibt Spitzenplatz auf Beliebtheitsskala ab

Unmittelbar vor seiner mit Spannung erwarteten Aussage im Visa-Untersuchungsausschuss ist Außenminister Joschka Fischer in einer Umfrage auf den niedrigsten Beliebtheitswert seit seinem Amtsantritt abgesackt.

HB BERLIN. Der viele Jahr lang beliebteste deutsche Politiker büßte auf der Beliebtheitsskala in einer TNS-Infratest-Umfrage im Vergleich zum Januar 20 Punkte ein und liegt nur noch auf Platz Zwei hinter Bundespräsident Horst Köhler. Fischer steht am Montag dem Bundestags-Untersuchungsausschuss vor laufenden Kameras Rede und Antwort zur Visa-Vergabe-Praxis des Auswärtigen Amtes. Während sich die SPD bemühte, die Erwartungen an Fischers Befragung zu dämpfen, will die CDU den Grünen-Politiker nach der Befragung von 30 Zeugen als Verantwortlichen stellen.

Die Opposition wirft Fischer vor, durch eine zu lockere Praxis bei der Visa-Vergabe ein Einfallstor für Schleuser, Schwarzarbeiter und Zwangsprostituierte geschaffen zu haben. Der Unions-Obmann im Ausschuss, Eckart von Klaeden, hat mit Blick auf die im Fernsehen übertragene Befragung Fischers erklärt, der Minister werde sich nicht aus der Verantwortung für den Visa-Missbrauch stehlen können. Dies werde die Öffentlichkeit erkennen. Führende Mitarbeiter des Außenministeriums hatten in den vergangenen Zeugenanhörungen die Kritik zurückgewiesen, die Amtsspitze sei für den Missbrauch verantwortlich. SPD-Obmann Olaf Scholz sagte zur Aussage des Ministers: „Diejenigen, die ganz aufgeregt dramatische Dinge erwarten, werden wahrscheinlich auch am Montag nicht bestätigt.“

Um den Zeitpunkt von Fischers Aussage hatte es lange Streit gegeben, bis Rot-Grün überraschend seinem Auftritt vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen Ende Mai zustimmte, um den Druck aus der Affäre zu nehmen. Klaeden sagte, die Union wolle im Gegensatz zu den zuletzt von Wiederholungen geprägten Fragerunden die Kernthemen konzentriert ansprechen. Wie lange die Vernehmung dauern wird, ist offen. Am Donnerstag hatte der Ausschuss den frühren Staatsminister Fischers, Ludger Volmer (Grüne), über zehn Stunden lang vor laufenden Kameras befragt.

Knapp vor Merkel und Schröder

Nur noch 54 Prozent der im Auftrag des „Spiegel“ Befragten wünschen Fischer noch eine wichtige Rolle in der Politik. Damit rutschte der Vizekanzler auf den tiefsten Stand seit seiner Amtseinführung 1998. Köhler erreichte einen Zustimmungswert von 72 Prozent. Nahezu gleichauf mit Fischer liegt mit 53 Prozent CDU-Chefin Angela Merkel, gefolgt von Bundeskanzler Gerhard Schröder mit 52 Prozent. Fischer verlor auch im eigenen Lager deutlich an Zustimmung. Bei den Wählern der Grünen büßte er sechs, bei den Anhängern der SPD elf Prozentpunkte ein. Männer schätzen ihn deutlich weniger als Frauen, Ältere weniger als Junge.

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