Koalistionsstreit
Kindergeld bringt SPD in die Bredouille

Im Streit um eine Erhöhung des Kindergelds hat die Familienexpertin der SPD, Christel Humme, einerseits den Willen der SPD zu einer Anhebung bekräftigt, andererseits vor voreiligen Festlegungen gewarnt. Gleichzeitig nimmt der Druck auf die Sozialdemokraten von Seiten des Koalitionspartners zu.

BERLIN. Im Koalitionsstreit um die richtige Familienpolitik, ist der Druck auf SPD gewachsen, einer Erhöhung des Kindergelds im nächsten Jahr doch noch ohne Abstriche zuzustimmen. „Ich halte es schon aus rechtlichen Gründen für unausweichlich, dass 2009 das Kindergeld erhöht werden muss, wenn der Existenzminimumsbericht ergeben sollte, dass wegen der Preisentwicklung eine Anhebung des steuerfreien Existenzminimums erforderlich wird“, sagte der familienpolitische Berater der Bundesregierung, Hans Bertram, dem Handelsblatt. Er sehe im Gegensatz zur SPD auch keinen rechtlichen Spielraum, einen Teil der dann fälligen Kindergelderhöhung für Sachleistungen an besonders bedürftige Familien umzuwidmen.

Der Berliner Familienforscher, der auch den regelmäßig erscheinenden Familienbericht der Bundesregierung federführend betreut, sieht bei solchen Sachleistungen für Kinder zudem eher die Länder und Kommunen in der Pflicht. Die Koalition solle, statt wahlkampfwirksam über die Höhe des Kindergelds zu streiten, die Länder auffordern, ihre Hausaufgaben zu machen und endlich mehr Ganztagsschulen einzurichten, sagte Bertram. „Dann würde sich die Frage, wie Eltern geholfen werden kann, die das Mittagessen ihrer Kinder nicht finanzieren können, von selbst erledigen.“ Zudem plädierte er wie Familienministerin Ursula von der Leyen dafür, vorrangig das Kindergeld für Mehrkindfamilien zu erhöhen. „Dort ist der Bedarf nach zusätzlicher Hilfe am größten.“

Auch die Union erhöhte den Druck auf die SPD. Generalsekretär Ronald Pofalla warf der SPD Halbherzigkeit vor und verlangte einen vollständigen Kurswechsel. Das Kindergeld müsse „ohne wenn und aber“ erhöht werden. Außerdem solle die SPD ihren Widerstand gegen das Betreuungsgeld aufgeben und damit den Weg zur Verabschiedung des Krippenausbaugesetzes frei machen.

Zumindest beim Kindergeld scheint der Druck Wirkung zu zeigen. Noch am Montag hatte SPD-Chef Kurt Beck nach einer Präsidiumssitzung der Partei darauf bestanden, dass zunächst die Betreuung und Ausstattung der Kinder gefördert werden müsse. Dafür solle etwa die Hälfte der Mittel aufgewandt werden. Die andere Hälfte könne dann in ein höheres Kindergeld fließen, sagte Beck.

Darauf wollte sich gestern SPD-Fraktionschef Peter Struck schon nicht mehr so eindeutig festlegen. Erst müsse der Existenzminimumbericht im Herbst abgewartet werden, sagte er vor der Sitzung der SPD-Fraktion. Wenn der Freibetrag angehoben werden müsse, habe dies „natürlich“ auch Auswirkungen auf das Kindergeld. „Dann werden wir prüfen, ob ein Teil der Gelder auch in die Infrastruktur fließen kann.“

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