Koalition beschließt Milliardenhilfe und Maßnahmenpaket
Bayern rechnet mit 11.000 neuen Flüchtlingen alleine für Montag

In Ungarn gestrandete Flüchtlinge kommen nach Deutschland, ein Zug nach dem anderen trifft ein. Es sind Tausende mehr als erwartet, und es ist kein Ende in Sicht. Die Koalition beschließt Milliardenhilfen.

BerlinAngesichts der dramatischen Zustände in Ungarn hat Deutschland in einer beispiellosen Aktion Tausende Flüchtlinge aufgenommen. Nach Tagen voller Strapazen in Ungarn kamen am Wochenende nach offiziellen Angaben etwa 15.500 Flüchtlinge nach Deutschland. In der Nacht werde ein weiterer Zug mit etwa 2200 Flüchtlingen erwartet, sagte Simone Hilgers, Sprecherin der Bezirksregierung. „Das hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagte sie. „Unsere Kapazitäten schwinden. Wir kommen an unsere Grenzen, und zwar sehr deutlich.“

Doch ein Ende ist nicht in Sicht: Bayern rechnet auch für Montag mit der Ankunft mehrerer Tausend Flüchtlinge. Womöglich könnten „11.000 oder mehr“ Menschen in München eintreffen, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand. „Die Lage ist sehr angespannt.“ Konkret könne man jeweils erst mit circa vier Stunden Vorlauf eine Prognose abgeben - wenn Züge mit Flüchtlingen in Wien starten. Die Behörden waren im Verlauf des Sonntags von der Größe des Flüchtlingsstroms aus Ungarn und Österreich überrascht worden. Ursprünglich waren etwa 7000 Menschen - genauso viele wie am Samstag - erwartet worden. Als es auf den Abend zuging, kamen jedoch immer mehr Menschen an. Schließlich waren es 13.000. Übers Wochenende trafen somit rund 20.000 Flüchtlinge in München ein. Viele der Menschen wurden von dort direkt in andere Bundesländer gebracht. Die EU ist derweil von einer Lösung der Krise weit entfernt. Bei ihrer Ankunft in Deutschland waren viele Flüchtlinge entkräftet. Sie wurden - etwa in München oder in Dortmund - mit Applaus und Willkommens-Plakaten empfangen.

Die Spitzen von Union und SPD haben sich in der Nacht auf Montag auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Asylpolitik verständigt. Es sehe eine „beträchtliche Erhöhung“ der Flüchtlingshilfe um mehrere Milliarden Euro vor, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am frühen Montagmorgen aus Koalitionskreisen in Berlin. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann zeigte sich mit den Verhandlungen beim Koalitionsgipfel zufrieden: „Gutes Ergebnis“, teilte er im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Dem Vernehmen nach wurde auch darüber gesprochen, dass Asylbewerber in der Phase der Erstaufnahme Sachleistungen statt Bargeld bekommen könnten. Dies galt vor der Sitzung des Koalitionsausschusses als Konfliktstoff zwischen Union und SPD. Ebenfalls im Gespräch sei die Aufstockung der auch für den Grenzschutz zuständigen Bundespolizei um 3000 Stellen. Der Ärger der CSU über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), weil sie mit ihrer Asylpolitik innerhalb kürzester Zeit vielen Tausend Flüchtlingen die Tür nach Deutschland geöffnet habe, soll während der Sitzung im Kanzleramt keine große Rolle gespielt haben.

Nach Behördenangaben reisten am Samstag fast 7000 Flüchtlinge per Zug über München nach Deutschland ein. Aus Wien kommend trafen Züge aber auch in anderen deutschen Städten ein, etwa in Frankfurt. Auch in Bussen wurden Flüchtlinge nach Deutschland gebracht.

Zahlen österreichischer Behörden von Sonntag decken sich ungefähr mit denen des Bundesinnenministeriums. Zunächst hatten Angaben aus Österreich nahe gelegt, das bis zum späten Sonntagabend insgesamt mehr als 20 000 Flüchtlinge in Deutschland erwartet wurden.

In den Bundesländern stellten die Behörden zusätzliche Unterkünfte bereit. Dem Bundesinnenministerium zufolge wurde rund die Hälfte der am Samstag in Bayern angekommenen Flüchtlinge auf andere Bundesländer verteilt.

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