Koalition
Hamburgs Vergrünung kann beginnen

In Hamburg einigt sich Bürgermeister Ole von Beust mit den Grünen (GAL). Doch Details der historischen Einigung sind noch nicht bekannt. Und so muss vor allem einer weiter warten und bangen: der Energieversorger Vattenfall, der um sein Kohlekraftwerk fürchten muss.

HAMBURG-MOORBURG. Am Mittag um 14 Uhr beginnt für den Energieversorger Vattenfall das große Zittern. CDU und Grüne (GAL) haben sich in Hamburg grundsätzlich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Es gebe nichts mehr was in großer Runde geklärt werden müsse, sagt die GAL-Innenexpertin Antje Möller und verschwindet aus den Räumen des noblen Grand Elysee Hotels an der noch nobleren Rothenbaumchaussee, trotz der bohrenden Nachfragen der Journalisten. Details nennt sie aus der Koalitionsverhandlung nicht, es gehe nur noch um Feinabstimmungen. Die offizielle Vorstellung des Koalitionsvertrages gibt es am Donnerstag.

Damit steht fest: Die erste schwarz-grüne Regierung in Deutschland mit Hamburgers Erstem Bürgermeister Ole von Beust und Grünen-Fraktionschefin Christa Goetsch steht – immer unter der Voraussetzung, dass die Basis noch zustimmt. Doch was politisch die Farbenarithmetik der Parteien auch bei ihren Koalitionsspielen auf Bundesebene auf den Kopf stellt, bereitet Vattenfall angesichts der vagen Aussage über das Ergebnis ernste Sorgen.

Anschauen kann man sich diese Sorgen in Hamburg-Moorburg, einem Stadtteil rund vierzig Fahrminuten von der City entfernt. Auf einem rund 30 Hektar großen Areal ragen Kräne in die Höhe. Bagger wühlen mit ihren riesigen Schaufeln durch den Sand der umstrittensten Großbaustelle Deutschlands. Arbeiter tragen schwere Balken zu einer Kaimauer, die einmal 380 Meter lang sein soll und das Elbwasser vor dem Durchsickern abhalten wird.

200 Menschen, bis zu 2000 sollen es in Spitzenzeiten sein, treiben seit November 2007 den Bau des Steinkohlekraftwerks Hamburg Moorburg Tag und Nacht so vehement voran, als wollten sie endgültige Fakten schaffen. „Die Arbeiten sind im vollen Gang“, sagt eine Sprecherin von Vattenfall, das zwei Mrd. Euro in die modernste Anlage ihrer Art stecken will. Ihr Blick wandert über die bereits ausgehobenen, mehrere Fußballfelder große Hauptbaugrube. Doch ob das Kraftwerk Hamburg wie geplant ab dem Jahr 2012 zu 90 Prozent mit Strom versorgen kann, weiß sie nach der heutigen Ankündigung der GAL-Vertreterin immer noch nicht.

Der CDU-geführte Senat hatte im November mit Vattenfall einen vorläufigen Baubeginn vereinbart, obwohl noch wasserrechtliche und immissionschutzrechtliche Genehmigungen ausstehen. Die Grünen lehnen aber nicht nur den Kraftwerksbau ab. Von Anfang an zögern sie bei einer Vertiefung der Fahrrinne in der Elbe um einen Meter. Nur bei der Elbvertiefung ist eine Einigung möglich. Das ist bereits durchgesickert: Im Gegenzug wird es für die Grünen-Basis als Ersatz wohl eine Art ökologischer Fonds geben. Bei Moorburg sieht die Sache anders aus. Hier stehen sich beide Seiten unversöhnlich gegenüber.

Seite 1:

Hamburgs Vergrünung kann beginnen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%