Koalition legt Termin fest

Deutsche Atomkraftwerke sollen bis 2022 vom Netz

Die Koalition hat sich auf einen Termin für die AKW-Stilllegung geeinigt. Am Ende soll es eine stille Reserve geben. Die Atomsteuer soll bestehen bleiben. Acht Anlagen sollen nicht wieder ans Netz.
Update: 30.05.2011 - 06:14 Uhr 3 Kommentare
Wie Kanzlerberater Merkel zum Turbo-Ausstieg drängen
Eon - Kernkraftwerke Isar
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In ihrem Abschlussbericht empfiehlt die von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingesetzte Ethikkommission einen raschen Atomausstieg. Ein Überblick über die wichtigsten Vorschläge in dem 28-seitigen Papier.

Aus für älteste Atomkraftwerke rückt näher
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Atomausstieg

Bis 2021 oder sogar noch früher, das Enddatum soll kontinuierlich überprüft werden. Wenn die Auswirkungen auf die Strompreise, die Entwicklung der CO2-Emissionen und die Stabilität des Netzes es zulassen, soll auch ein früheres Ende der Kernenergie-Nutzung möglich sein.

Menschenkette gegen Atomkraft
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Vorübergehend stillgelegte AKW

Die sieben ältesten Meiler und die wegen Pannen stillstehende Anlage im schleswig-holsteinischen Krümmel sollen für immer abgeschaltet werden. Ergibt die technische Überprüfung, dass auch neuere Anlagen bestimmte Standards nicht erfüllen, könnten auch diese vom Netz genommen werden.

Revision im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld
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AKW als Reserve

Abgeschaltete Atomkraftwerke können für einen Übergangszeitraum wie alte Gas- und Kohlekraftwerke als „Kaltreserve“ dienen, um bei Engpässen Strom produzieren zu können. Zudem soll durch mehr und bessere Speichertechniken der Aufbau einer nationalen Strom-Versorgungsreserve in Höhe einer halben Jahresproduktion angegangen werden.

huGO-BildID: 15747435 Eingelagerte Faesser mit
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Endlagerung

Die Entsorgung von in Deutschland entstandenem Atommüll soll auch hierzulande stattfinden. Der Müll soll so gelagert werden, dass er bei Problemen zurückgeholt werden kann. Dies erweitere den Suchraum für Endlagerstätten.

Nord-Liberale wollen Krümmel dauerhaft abschalten
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EU-Atompolitik

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima soll die Reaktorsicherheit auf EU-Ebene gebündelt werden, um Sanktionen gegen unsichere Anlagen durchsetzen zu können. „Die Nuklearsicherheit muss Europapolitik werden“, heißt es. Konkret: Definition von Sicherheitsstandards für Bau und Betrieb von Atomkraftwerken; möglicherweise Kündigung des Euratom-Vertrags, der nicht mehr zeitgemäß sei, und stattdessen Kontrolle der AKW-Sicherheit durch EU-Kommission.

Hessen-CDU ehrt Alfred Dregger
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Atombeauftragter

Zur Begleitung der Energiewende soll ein Parlamentarischer Beauftragter benannt werden. Zur Begleitung der gesellschaftlichen Debatte soll ein „Nationales Forum Energiewende“ eingerichtet werden, da der Prozess nur unter Einbindung aller relevanten Gruppen gelingen könne.

BerlinDurchbruch im Ringen um den Abschied von der Kernenergie in Deutschland: Die schwarz-gelbe Koalition will bis spätestens zum Jahr 2022 endgültig den letzten Atommeiler stilllegen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montagmorgen aus Koalitionskreisen in Berlin.

Der Großteil der Meiler soll schon bis 2021 vom Netz. Falls es Probleme bei der Energiewende gibt, sollen die letzten drei Meiler jedoch erst 2022 abgeschaltet werden. Diese Anlagen würden als eine Art „Sicherheitspuffer“ angesehen.

Zuvor hatten die Koalitionsspitzen fast zwölf Stunden im Kanzleramt verhandelt. Nach dem früheren rot-grünen Atomausstieg wäre der letzte Meiler erst etwa gegen 2022/23 vom Netz gegangen. Noch im Herbst hatten Union und die FDP die Laufzeiten im Schnitt um 12 Jahre verlängert. 

Chronik




Die sieben ältesten Atommeiler und das AKW Krümmel will die Koalition stilllegen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in der Nacht zum Montag aus Koalitionskreisen. Die sieben älteren AKW waren Mitte März nach der Katastrophe von Fukushima aus Sicherheitsgründen mit dem Atom-Moratorium abgeschaltet worden. Jedoch könnte mindestens eines der Kraftwerke für den Fall von Stromengpässen in Bereitschaft gehalten werden. Welches AKW das ist, entscheidet die Bundesnetzagentur.

Generell sollen bei der Energiewende nach den Plänen der Koalition Kapazitäten von abgeschalteten Atomkraftwerken für eine gewisse Zeit als stille Reserve genutzt werden. Dies erfuhr dpa aus Kreisen der Koalitionsspitzen von Union und FDP. Mit dieser Reserve „im Umfang des Bedarfs“ könne auf Schwankungen in der Stromversorgung reagiert werden. Nach Berechnungen der Bundesnetzagentur werden etwa 2000 Megawatt benötigt - dies würde in etwa der Leistung von zwei AKW entsprechen. Diese könnten in einer Art „Stand-by“-Modus bleiben.

Die Atomkonzerne werden die Restlaufzeiten ihrer Alt-Akw nach Angaben aus Koalitions- und Regierungskreisen auf neuere Meiler übertragen können. Mehrere Teilnehmer der Nachtsitzung im Kanzleramt bestätigten der Nachrichtenagentur Reuters, dass aus juristischen Gründen die von Rot-Grün zugesagten Restlaufzeiten nicht verfallen würden. Sie kämen dann neueren AKW zu Gute. Dies müsse bei einem angepeilten Enddatum für den letzten Reaktor berücksichtigt werden.

Die Koalition sieht sich den Angaben zufolge auch gezwungen, bei einer Zuteilung von Strommengen, die die AKW noch produzieren dürfen, zu bleiben. So hatte auch Rot-Grün den Ausstiegsbeschluss von vor zehn Jahren organisiert. Den Meilern wurden Strommengen vorgegeben, aus denen sich dann indirekt ein Abschalten des letzten AKW um das Jahr 2020 ergab.

Atomsteuer soll bleiben, Revisionsklausel ist vom Tisch
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3 Kommentare zu "Koalition legt Termin fest: Deutsche Atomkraftwerke sollen bis 2022 vom Netz"

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  • Die stille Reserve mag ja eine gute Idee sein, aber wer soll das bezahlen? Da ist es viel billiger 5000 MW Gaskraftwerke zu installieren. Die können mit 200 - 300 Mitarbeitern betrieben werden und sind flexibler als die alten AKW´s. Die Energiewende funktioniert sowieso nicht. Billiger Ökostrom kombiniert mit Großkraftwerken im Standby Modus, falls mal 20 Tage kein Wind kommt, was einerseits unwahrscheinlich aber andererseits nicht ausgeschlossen ist. Vielleicht wäre es billiger ein paar Leitungen nach Fessenheim oder nach Tschechien zu legen. Die dortigen AKW´s laufen ja weiter. So können wir elegant unsere Exportüberschüsse abbauen und die Polen und Franzosen freuen sich.

    Fat_bob_ger

  • Die Nuklearwerke werden graduell in die Nachbarländer und in das sonstige europäische Ausland verlegt, das strahlende Atommüll reist weiter hin und her und landet eventuell in Russland, auf dem Balkan oder auch im neuen, demokratischen Nordafrika und der deutsche Endverbraucher zahlt höhere Energiepreise. Natürlich, man verliert zum Teil auch die Kontrolle über die Sicherheit der Kraftwerke. Also weniger Kontrolle und mehr Kosten. So wie bei dem Euro. Das ist doch ein klarer Plan. LG aus Athen, Michail

  • CDU Angie werf den Kalitionspartner raus und suche eine neue Mehrheit.
    Mit diese FDP Gaunern, keine Politiker, kann man doch nicht regieren
    Holen Sie die Mehrheiten beim Bundestag gegen die FDP
    Treffen Sie endlich mal Entscheidungen als den Schulden EU-ler immer hinterherzuaufen

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