Koalitionsbeschluss

Deutschland entschädigt sowjetische Kriegsgefangene

Es ist ein Beschluss von hoher symbolischer Bedeutung: Deutschland will ehemalige sowjetische Kriegsgefangene entschädigen. Die große Koalition beschloss, den 4000 Überlebenden insgesamt zehn Millionen Euro zu zahlen.
4 Kommentare
Die Große Koalition hat eine Entschädigungszahlung von zehn Millionen Euro für überlebende sowjetische Kriegsgefangene beschlossen. Quelle: dpa
NS-Opfer

Die Große Koalition hat eine Entschädigungszahlung von zehn Millionen Euro für überlebende sowjetische Kriegsgefangene beschlossen.

(Foto: dpa)

BerlinDie große Koalition will den überlebenden sowjetischen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs eine Entschädigung für ihr Leid zahlen. Die Haushälter von CDU/CSU und SPD hätten dafür im Nachtragshaushalt zehn Millionen Euro eingestellt, erfuhr Reuters am Mittwoch aus Koalitionskreisen.

Auch die Zustimmung zumindest der Grünen wird erwartet. Der Beschluss zu dieser Wiedergutmachungsleistung hat auch angesichts der Spannungen zwischen dem Westen und Russland wegen der Ukraine-Krise eine hohe symbolische politische Bedeutung.

Bundespräsident Joachim Gauck hatte beim Gedenken an den 70. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges ausdrücklich den Beitrag der sowjetischen Soldaten zur Befreiung Deutschlands von der NS-Diktatur gewürdigt. Er hatte zudem die deutsche Verantwortung dafür betont, dass in Gefangenschaft mehr als die Hälfte der rund 5,3 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen gestorben sei.

„Es gibt keine tiefere Zäsur als diesen Tag“
Gedenkstunde im Bundestag
1 von 8

Zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs veranstaltete der Bundestag eine Gedenkstunde. „Der 8. Mai ist ein Tag der Befreiung gewesen – er war aber kein Tag der deutschen Selbstbefreiung“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert in seiner Eröffnungsrede. „Unsere Gedanken und Respekt gelten denen, die unter unvorstellbaren Verlusten die nationalsozialistische Terrorherrschaft beendet haben, sowohl in den Reihen der westlichen Alliierten als auch auf Seiten der Roten Armee.“

Tiefste Zäsur der deutschen Geschichte
2 von 8

Neben Zeitzeugen und Botschaftern war höchste Politprominenz zum Gedenken angereist. In der ersten Reihe: Bundesratsvorsitzender Matthias Platzeck, Alt-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Alt-Bundespräsident Horst Köhler, Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier (v. l.). Die Gedenkrede hielt der Historiker Heinrich August Winkler: „In der deutschen Geschichte gibt es keine tiefere Zäsur als diesen Tag.“

Hollande am Denkmal de Gaulles
3 von 8

Der französische Präsident François Hollande besuchte traditionsgemäß das Denkmal seines ehemaligen Amtskollegen Charles de Gaulle, der während des Zweiten Weltkriegs die französische Exilregierung in London führte. Danach ließ sich Hollande über die Champs-Élysées von der Republikanischen Garde zum Grab des Unbekannten Soldaten eskortieren und legte dort einen Kranz nieder. Mit Blick auf die französische Widerstandsbewegung sagte Hollande: „Der Sieg am 8. Mai war kein Sieg einer Nation über eine andere. Es war der Sieg eines Ideals über eine totalitäre Ideologie.“

Hoher Besuch aus den USA
4 von 8

Den Feierlichkeiten in Paris wohnte auch der US-amerikanische Außenminister John Kerry (3. v. l.) bei. Die offizielle Zeremonie wurde wie jedes Jahr am Pariser Triumphbogen am Ende der Champs-Élysées gefeiert.

Gast aus Fernost
5 von 8

Hoher Besuch aus Fernost erreicht zum Weltkriegsgedenken den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping (l.) ist extra zur 70-Jahr-Feier des Sieges der Roten Armee über die Wehrmacht angereist und wird verschiedenen Feierlichkeiten in Russland beiwohnen. Dort gilt übrigens erst der 9. Mai als Tag des Kriegsendes – weil die deutsche Kapitulation 1945 nach russischer Zeit erst nach Mitternacht unterzeichnet wurde.

Der König salutiert
6 von 8

In Belgien salutierte König Philippe während einer Gedenkzeremonie vor dem Grab des Unbekannten Soldaten in Brüssel. Das Land war von 1940 bis zum Ende des Kriegs 1945 von den Nationalsozialisten besetzt.

Gedenken in Israel
7 von 8

Auch in Israel wurde der Sieg über Nazi-Deutschland gefeiert – unter anderem mit einer Parade in der südisraelischen Stadt Ashdod. An dem Umzug nahmen auch Weltkriegsveteranen teil, die vor mehr als 70 Jahren gegen die Nationalsozialisten gekämpft haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier waren trotz der Differenzen mit Russland in der Ukraine-Krise nach Russland geflogen, um dort an die Kriegsopfer und die deutsche Verantwortung zu erinnern.

Die Zahl von zehn Millionen Euro orientiert sich an der Schätzung, dass es noch 4000 Überlebende gibt. Diesen könnte dann je 2500 Euro ausgezahlt werden.

  • rtr
Startseite

4 Kommentare zu "Koalitionsbeschluss: Deutschland entschädigt sowjetische Kriegsgefangene"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es funktioniert nach wie vor: Das Ausland muss nur die Knöpfe der siamesischen Zwillinge deutscher Schuldkomplex und deutsche Büßerhaltung drücken, und schon geht die Geldbörse auf.

    Mal schaun, wer jetzt alles in diesem Zusammenhang Ansprüche geltend machen wird.

    Erbärmlich die Performance, welche die Bundesregierung abliefert.




  • und wieso zahlt Frankreich nicht für die Verbrechen Napoleons? und wieso die USA nicht für Vietnam und die anderen Sauereien?
    Wieso England nicht, und Spanien-Portugal. Auch die Niederlande hatten genügend Kolonien.

  • Wer bezahlt für die Millionen Deutschen, die in Russland als Gefangene bis zu 10 Jahren leiden mussten?

  • Endlich stellt sich Deutschland wenigstens teilweise seiner historischen Verantwortung.

    Die Frage ist nur:

    Warum so spät und wann folgen die bisher noch nicht entschädigten anderen Opfer von deutschen Kriegsverbrechen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%