Koalitionspläne
Ifo-Chef Sinn: Steuersenkungen kommen zu spät

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat sich in die Diskussion um die Steuersenkungspläne der Koalition eingeschaltet. Nach seiner Einschätzung kommen die Steuersenkungen zu spät.
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HB MÜNCHEN. "Mich wundert, dass die Steuerreform erst 2011 kommt, man müsste sie jetzt machen", sagte der Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Montag auf einer Konferenz. Übernächstes Jahr könnten die Effekte verpuffen. "Dann könnte es zu spät sein", sagte er.

Sinn plädierte dafür, die Entlastungen auf Pump zu finanzieren: "Der Staat muss sich verschulden, um die Krise zu bekämpfen." Das Geld müsse nicht unbedingt in Steuersenkungen fließen, auch Investitionen in Infrastrukturprojekte wie Autobahnen wären sinnvoll. "In der derzeitigen Lage wäre es aber ein großer Fehler, sofort mit der Konsolidierung der Staatsfinanzen zu beginnen", sagte er.

Union und FDP wollen Familien mit Kindern und Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen in der neuen Legislaturperiode um 24 Mrd. Euro entlasten. Dazu soll zum 1. Januar 2011 auch "möglichst" ein Stufentarif in der Einkommensteuer eingeführt werden. Darüber hinaus werden Bürger und Unternehmen durch Beschlüsse der Vorgängerregierung zum 1. Januar 2010 bereits um rund 14 Mrd. Euro entlastet.

Die Arbeitslosenzahl wird im nächsten Jahr in Deutschland nach Erwartungen des Ifo-Instituts auf durchschnittlich 4,1 Mio. steigen. Er rechne mit einer substanziellen Erhöhung der Arbeitslosigkeit, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn anlässlich des Ifo-Branchen-Dialogs am Montag in der IHK-Akademie in München. Das sind allerdings 230 000 weniger als noch im Juni prognostiziert. „Die Zunahme der Arbeitslosigkeit in den USA ist noch nicht zum Stillstand gekommen und solange das nicht passiert ist, wage ich noch keine Entwarnung zu geben“, sagte Sinn mit Blick auf den deutschen Markt.

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