Koalitionspoker
Merkel hält sich „Jamaika“ offen

Taktisches Spielchen mit der SPD oder ernsthaftes Signal an Liberale und Grüne? Unions-Kandidatin Angela Merkel gibt Deutschland mit der Aussage Rätsel auf, für sie stünden neben der großen Koalition „die verschiedenen Optionen noch im Raum“.

HB BERLIN. Im Anschluss an ein Treffen mit der FDP-Spitze sagte Merkel am Donnerstag zwar, dass eine große Koalition "eine sehr viel höhere Wahrscheinlichkeit" habe als ein "Jamaika-Bündnis" mit Grünen und Freidemokraten. Da es aber derzeit keine echten Koalitionsverhandlungen mit der SPD gebe, seien Alternativen nach wie vor denkbar.

Merkel erinnerte an die Absprache mit den Grünen aus der vergangenen Woche, wonach sie "im Lichte" der Gespräche mit der SPD noch einmal auf die Partei zugehen könne. Auch FDP-Chef Guido Westerwelle geht inzwischen davon aus, dass die Gespräche Union/SPD auf eine große Koalition hinauslaufen. Allerdings wolle die FDP als Möglichkeit eine so genannte Jamaika-Koalition nicht ganz ausschließen. "Im Augenblick ist die Tür noch einen Spalt auf."

Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber hatten die FDP-Spitze zuvor über ihre Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD aus den vergangenen Tagen unterrichtet. Die Grünen hatten sich vor einer Woche geweigert, die Unterredungen mit der Union vorläufig fortzusetzen. Beim Gespräch mit den Sozialdemokraten hatte es am Mittwoch hingegen erste Fortschritte gegeben, obwohl beide Seiten in der Kanzlerfrage hart blieben.

Grüne und FDP veranstalten "Lockerungsübungen"

FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt berichtete gleichwohl von "sehr vielen Begegnungen" zwischen FDP - und Grünen-Politikern. Westerwelle erläuterte aber, dass es sich um "einfache personelle" Kontakte handele. Sie seien als "Lockerungsübung" in dem bisher angespannten Verhältnis beider Parteien zu verstehen.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen (CDU), zeigte sich trotz erster Fortschritte auf dem Weg zu einer großen Koalition skeptisch. Bevor die SPD nicht die Regel anerkenne, dass die Union als stärkste Kraft den Kanzler stellen müsse, "kann man nur skeptisch sein, was die Fähigkeit angeht, die Sachprobleme zu lösen", sagte er im Deutschlandradio Kultur.

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