Koalitionsverhandlungen
FDP-Ministerposten: Einer wird verlieren

Die FDP ist der große Wahlsieger und zwei Männer sehen ihre letzte Chance, sich einen Lebenstraum zu erfüllen: Rainer Brüderle und Hermann Otto Solms wollen einen Ministerposten in der neuen Regierung. Doch nur einer wird es schaffen. Für ihren Parteichef kann das heikel werden.

BERLIN. Zwei Männer, sehr verschieden, stehen inmitten ausgelassener Menschen und genießen, nur wenige Meter trennen sie. Um sie herum balgen sich Fotografen um das beste Bild, Fernsehteams wollen ihre Einschätzungen hören. Das Glück steht beiden Männern in ihre Gesichter geschrieben. In ein rundes, rosiges, gerahmt von einem stabilen silbernen Scheitel. In ein schmales, in dessen Mitte ein dunkler Schnäuzer hockt. Elf Jahre Leiden sind zu Ende gegangen. Diese Erfahrung verbindet sie.

"Das ist doch jetzt einfach mal schön", sagt der mit dem Scheitel.

"Jetzt wollen wir das erst mal genießen", sagt der mit dem Schnäuzer.

Ein Wahlkampf ist zu Ende. Sie hatten ein gemeinsames Ziel: die FDP, ihre FDP, wieder an die Macht zu bringen. So ist es gekommen. An diesem Abend enden elf Jahre Opposition, so begehrt wie an diesem Abend waren die beiden Männer in all der Zeit nicht mehr. Auch das verbindet sie.

Sie haben gemeinsam gekämpft, ab sofort kämpft jeder für sich. Beide wollen sich im Herbst ihrer politischen Karriere einen Lebenstraum erfüllen. Es ist ihre letzte Chance, beide wissen das. Das trennt sie. Ihre Träume ähneln einander zu sehr.

Die erste Hochrechnung hat Hermann Otto Solms und Rainer Brüderle zu Rivalen gemacht. Sie beide wollen einen Ministerposten in der neuen Regierung. Finanzminister der eine, Wirtschaftsminister der andere.

Es ist noch nicht sicher, wie viele Ressorts die Liberalen bekommen werden. Als gesetzt gelten Parteichef Guido Westerwelle als Außenminister und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger für die Abteilung Justiz. Solms und Brüderle dürfen sich Hoffnungen machen. Auf das Wirtschaftsressort oder das Finanzministerium. Dass aber die Union der FDP gleich beide prestigeträchtigen Ressorts überlässt, ist sehr unwahrscheinlich.

Die FDP ist der große Wahlsieger, doch zum Feiern bleibt ihr keine Zeit. Aus dem schönen Ergebnis soll ja liberale Politik werden. Um die Koalitionsverhandlungen mit der CDU nicht zu gefährden, hat Westerwelle sehr früh die Sprachregelung ausgegeben, dass über Posten nicht gesprochen wird. Ein bisschen halten sich Solms und Brüderle auch daran. Doch es ist nicht zu übersehen, dass sich beide in Stellung bringen.

Brüderle, 64, Pfälzer, nie um einen Spruch verlegen. Er will die Tradition liberaler Wirtschaftsminister fortsetzen. Deshalb ging er vor elf Jahren als Wirtschaftsminister aus Rheinland-Pfalz nach Berlin.

Solms, 69, der solide, staatstragende, seriöse Herr mit Scheitel und Schnauzbart, der Schatzmeister. Seit Jahren hat er das staatstragende Amt des Vizepräsidenten des Bundestags inne. Nun will er seine Steuerreform umsetzen, das Thema seines Lebens. Als Bundesfinanzminister.

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