Koalitionsverhandlungen in Hamburg
Die Braut, die sich noch nicht traut

Die Grünen könnten in Hamburg erstmals auf Landesebene eine Koalition mit der CDU bilden - ein Modell mit bundesweiter Signalwirkung. Doch noch gibt sich die Parteiführung vorsichtig. Denn die Basis nimmt die schwarz-grüne Option nicht nur positiv auf.

BERLIN. Die Hamburger Wahllokale waren kaum geschlossen, da tat der Generalsekretär der CDU beinahe so, als ob Schwarz-Grün selbstverständlich sei. Er selbst sei doch schon bei der "Pizza-Connection" dabei gewesen, einer informellen Runde jüngerer Bundestagsabgeordneter von Union und Grünen, brüstete sich Ronald Pofalla in der "Berliner Runde" der Generalsekretäre.

Gestern gaben dann beide Parteizentralen offiziell grünes Licht für Sondierungsgespräche in der Hansestadt. Sollte es dort tatsächlich zur ersten schwarz-grünen Koalition der Republik auf Landesebene kommen, "haben wir ja dann die Möglichkeit, uns ein Jahr, anderthalb Jahre lang anzusehen, wie eine solche Zusammenarbeit funktioniert", schlug Pofalla den Bogen zur Bundestagswahl.

Die Parteivorsitzende der Grünen, Claudia Roth, versuchte die Bedeutung jedoch tief zu hängen: Nein, es gehe weder um einen "Befreiungskampf von der SPD" noch um einen "strategischen Präzedenzfall", schon gar nicht um "den Reiz des Neuen", sagte die dem linken Flügel angehörende Roth nach einem Treffen der Parteispitze. Ziel sei lediglich, den jetzt möglich gewordenen "Politikwechsel" in Hamburg auszuloten. Im Bund sei man "Lichtjahre" von der CDU entfernt.

Ganz anders die den Realos zuneigende Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast: Sie habe durchaus die Hoffnung, dass ihre Partei mit verschiedenen Koalitionsoptionen in die Bundestagswahl 2009 gehen kann, sagte Künast, die als mögliche Spitzenkandidatin gilt.

Im Parteirat hatte denn auch vor allem Roth gewarnt, ein schwarz-grünes Experiment nicht zu schnell und euphorisch anzugehen, hieß es. Am Ende stand dennoch die einhellige Botschaft: "Der Parteirat unterstützt unisono die Bereitschaft des Landesverbandes, Gespräche mit der CDU zu führen", sagte Roth. Davor habe "keine Stimme" gewarnt.

Seit Jahren streiten die Grünen über die Option mit den Schwarzen, die ihnen in den Ländern und im Bund entscheidend mehr Bewegungsfreiheit verschaffen würde. Jetzt, wo sie womöglich unmittelbar davorstehen, fügen sich die Kritiker offenbar ins Unvermeidliche.

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