Koalitionsverhandlungen
Kampf ums Kanzleramt geht in zweite Runde

Noch traten Union und SPD in getrennter Formation vor die TV-Kameras. Doch die Chancen für die Bildung einer großen Koalition steigen. Vier Tage nach der Bundestagswahl äußerten sich die Spitzen beider Parteien vorsichtig optimistisch. Doch die Linkspartei könnte die zarte Annäherung gefährden.

HB BERLIN. Bei der Linkspartei hat es nach den Worten ihres Vorsitzenden Lothar Bisky erste Anfragen gegeben, ob Abgeordnete der Partei Bundeskanzler Gerhard Schröder zur Wiederwahl verhelfen könnten.

In einem Interview der Parteizeitung "Neues Deutschland" (Freitagausgabe) nannte Bisky derartige Anfragen Kolonialgesten und fügte hinzu: "Da sage ich nein." Der Vorsitzende der umbenannten PDS bekräftigte, die 54 Abgeordneten der Linken blieben in der Opposition solange die SPD an ihrem Kurs festhalte.

Ohnehin wolle keine der anderen Fraktionen mit der Linkspartei zusammenarbeiten. Die Linke war mit 8,7 Prozent der Stimmen am Sonntag viertstärkste Fraktion im neuen Bundestag geworden. Sie hatte ihr Wahlergebnis im Vergleich zu dem der PDS vor drei Jahren mehr als verdoppelt.

Bei der Wahl hatten sowohl Union und FDP als auch SPD und Grüne eine Mehrheit verfehlt. Neben einer großen Koalition sind auch Dreierbündnisse aus Union, FDP und Grünen beziehungsweise SPD, Liberalen und Grünen denkbar. SPD und Grüne haben eine Zusammenarbeit mit den Linken kategorisch ausgeschlossen. Zusammen verfügen alle drei Parteien über 51,1 Prozent der Stimmen.

Die Äußerungen von Bisky könnten erneut für Unmut bei der Union sorgen. Am Donnerstagnachmittag hatten sich CDU/CSU und SPD zu ersten Sonderiungsgesprächen getroffen und Anzeichen für eine erste Annäherung gegeben. "Wir sind ganz weit weg von Verhandlungen", sagte SPD Parteichef Franz Müntefering nach dem ersten Sondierungsgespräch mit der Union. Aber: "Die Perspektive ist eröffnet für konkrete Gespräche." Dieser Satz kam in der Deutlichkeit unverhofft - genauso wie die Aussage, dass Union und SPD Mitte kommender Woche weiter über eine große Koalition sprechen wollen. Danach werde sich entscheiden, ob Koalitionsverhandlungen offiziell beginnen könnten, wurde übereinstimmend betont.

Auch Kanzlerkandidatin Angela Merkel sprach von einer "konstruktiven Atmosphäre" in dem knapp einstündigen Gespräch in der Parlamentarischen Gesellschaft. Müntefering und der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber betonten, dass eine große Koalition keine "Übergangslösung" sein dürfe, sondern auf eine ganze Wahlperiode von vier Jahren angelegt sein müsse. Für die Bildung einer stabilen Regierung dürfe man sich nicht "endlos Zeit" lassen, sondern ein "gewisses Tempo" vorlegen.

Eines steht unverrückbar zwischen beiden Parteien: die Forderung nach der Kanzlerschaft. Die SPD besteht im Falle einer Zusammenarbeit zwischen Union und Sozialdemokraten auf Gerhard Schröder und will "möglichst viel von dem durchsetzen, was wir uns vorgenommen haben", sagte Müntefering. Für die Union ist dagegen klar, dass nur Merkel Chefin einer möglichen großen Koalition sein könne, weil die Union ja die stärkste Kraft im Bundestag sei.

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