Koalitionsverhandlungen
Wenn Kandidaten zu Ministern werden

Vor der Endrunde der Koalitionsgespräche kommt Bewegung in die Postendebatte. Immer wildere Spekulationen über künfige Spitzenjobs machen die Runde. Pofalla, Röttgen, de Maizière - über Konkurrenz und Karrieren in der neuen Regierung.
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BERLIN. Wenn der ehrgeizige Zeitplan der Kanzlerin eingehalten wird, macht die schwarz-gelbe Koalition noch in der Nacht zu Freitag Nägel mit Köpfen - und Köpfe zu Ministern. Denn dann soll nicht nur die Einigung bei den Sachthemen, sondern auch beim Ressortzuschnitt und dem neuen Bundeskabinett stehen. Doch unmittelbar vor der vermeintlich entscheidenden Runde der Koalitionsverhandlungen dreht sich das Personal-Karussell plötzlich wieder schneller.

Galt etwa CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla vergangene Woche noch als "gesetzt" für den Posten des Arbeitsministers, so wird er plötzlich auch als möglicher Kanzleramtschef gehandelt. Aber sollte diesen Posten nicht schon der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Norbert Röttgen, bekommen?

Dem bisherigen Chef des Kanzleramtes, Thomas de Maizière, wurde wiederum vor zwei Wochen noch unterstellt, er werde ohnehin im Amt bleiben. Nun wird er mal als Innen-, jetzt aber immer öfter als Finanzminister gehandelt. Und alle paar Stunden wiederholt sich in verschiedenen Medien die Spekulation, dass FDP-Chef Guido Westerwelle am Ende eben doch nicht Außenminister, sondern eine Art Superminister werden könnte.

In den Ministerien wächst ganz nebenbei die Nervosität, weil Tausende von Beamten darauf warten, welcher Chef welcher Partei mit welcher Lösung antreten wird - und wen er oder sie als Staatssekretäre mitbringen wird. Im Arbeitsministerium etwa geht bereits Angst um, dass der wegen seines Führungsstil umstrittene Chef der städtischen Kliniken Köln und frühere Staatssekretär unter Norbert Blüm, Wilhelm Hecker, nach Berlin wechseln könnte.

Dass die Spekulationen so wild sind, hat vor allem mit dem für Außenstehende undurchsichtigen Prozess der Koalitionsgespräche zu tun. Denn die Personalwahl wird am Ende davon abhängen, wie CDU, FDP und CSU die Ressorts unter sich aufteilen. FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms etwa werden nur für den Fall Ministerchancen zugeschrieben, dass die Liberalen überhaupt das Finanzministerium erhalten sollten. Das ist aber mindestens so umkämpft wie das Wirtschaftsressort, dessen jetziger Chef Karl-Theodor zu Guttenberg gleich für mehrere Ämter gehandelt wird. Auch ein vertraulicher Besuch von CSU-Chef Horst Seehofer bei Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel am Dienstag Abend brachte noch keine endgültige Klärung über die Schlachtordnung zumindest in der Union.

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