Koalitionsverhandlungen
Zinsobergrenze für Kontoüberziehung wird es nicht geben

Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen konnte sich die Arbeitsgruppe Finanzen nicht auf eine Zinsobergrenze bei der Kontoüberziehung einigen. Dafür soll es bald aber einen verpflichtenden Warnhinweis geben.
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BerlinEine gesetzlich festgelegte Obergrenze bei der Kontoüberziehung wird es in Deutschland auch künftig nicht geben: Vertreter von Union und SPD in der Arbeitsgruppe Finanzen konnten sich nicht auf eine Dispo-Obergrenze einigen, wie aus dem Abschlussbericht hervorgeht, der AFP am Donnerstag vorlag. Sie vereinbarten demnach lediglich, dass die Banken verpflichtet werden sollen, „beim Übertritt in den Dispositionskredit einen Warnhinweis zu geben; bei dauerhafter und erheblicher Inanspruchnahme sollen sie dem Kunden eine Beratung über mögliche kostengünstigere Alternativen zum Dispositionskredit anbieten müssen“. Damit setzte sich die Union mit ihren Vorstellungen durch.

Dispozinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird und ins Minus rutscht. Zunächst gewährt die Bank in der Regel einen Dispositionskredit - kurz: Dispokredit oder Dispo. Dieser ermöglicht eine begrenzte Überziehung. Limit sind oft zwei oder drei Monatsgehälter. Für Überziehungen in diesem Rahmen gilt der Dispozinssatz. Wird das Konto über diesen Rahmen hinaus überzogen, fallen Überziehungszinsen an. Diese liegen oft noch mehrere Prozentpunkte höher.

Verbraucherschützer fordern seit langem eine Obergrenze. Ihrer Ansicht nach sollte diese bei sieben Prozent plus der Höhe des internationalen Referenzzinssatzes Euribor für Geschäfte am Geldmarkt mit drei Monaten Laufzeit liegen. Eine solche Dispo-Obergrenze würde derzeit bei 7,218 Prozent liegen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Koalitionsverhandlungen: Zinsobergrenze für Kontoüberziehung wird es nicht geben "

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  • In den Siebzigern sind Sparkassen vor Gericht gezogen, wenn Banken Dispozinsen von 14 und mehr Prozent betrugen. Heute "wärmen sich alle am gleichen Feuer".

    Damals gab es noch einen Wucherparagraphen und Boni kannte man nicht.

    Vielleicht wäre dies auch ein Aufgabengebiet, dass eine Finanzaufsicht beackern könnte, statt in den Konten der Privaten rumzuschnüffeln.

  • Wer hat wirtklich geglaubt, Frau Merkel unternimmt etwas gegen die Banker??

  • Zu fordern ist ein "Zinsabstandsgebot". Der Dispozins darf nicht mehr als 5 Prozentpunkte über dem Guthabenzins liegen. Jeder höhere Zins muss gegenüber Privatleuten als wucherisch untersagt werden. Es geht nicht an,dass die Banken sich grenzenlos zu Lasten der Sparer und der Steuer-zahler bereichern dürfen.

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