Koalitionszoff um Transitzonen
SPD strikt gegen „Massenlager im Niemandsland“

Die Diskussion um die geplanten Transitzonen an deutschen Grenzen spaltet die Koalition. Führende Sozialdemokraten lehnen das Vorhaben vehement ab, Vertreter von CDU und CSU sprechen sich für die Pläne aus.

BerlinDie Transitzonen-Pläne der Union reißen mitten in der Flüchtlingskrise tiefe Gräben in der schwarz-roten Koalition auf. Nach einem zeitweiligen SPD-Wackelkurs in diesem Punkt lehnten am Montag führende Sozialdemokraten vehement das Vorhaben ab, viele Asylbegehren direkt an den deutschen Grenzen zu prüfen.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte, wer Transitverfahren von Flughäfen auf Landesgrenzen übertragen wolle, schaffe „Massenlager im Niemandsland“. Derweil sehen Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in solchen Arealen eine Möglichkeit, auf steigende Asylbewerberzahlen zu reagieren.

Seehofer sagte, die Unionsparteien seien sich einig in der Forderung nach Transitzonen. Der CSU-Chef setzt nun auf eine rasche Verständigung mit der SPD. Auf die Frage, wie dies gelingen solle, sagte Seehofer nach einer CSU-Vorstandssitzung: „Irgendwann werden die drei Parteivorsitzenden miteinander reden.“ Er stehe jederzeit zur Verfügung, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch.

Zugleich stellte er seine wochenlangen Attacken auf Merkel vorläufig ein. Teilnehmer der Vorstandssitzung gaben ihn sogar mit den Worten wieder: „Wir müssen beieinander bleiben.“

Altmaier sagte im ZDF mit Blick auf die diskutierten Transitzonen: „Ich glaube, dass wir angesichts der Situation, die wir haben, keine Möglichkeit von vorneherein ausschließen sollten.“ Nach den Worten von Regierungssprecher Steffen Seibert sollen Gespräche in der Koalition schnellstmöglich stattfinden. Transitzonen seien „nicht das eine Mittel, das alle Probleme löst“, aber möglicherweise „ein Beitrag dazu, Ordnung in die Flüchtlingssituation zu bringen“.

Maas sagte der „Süddeutschen Zeitung“, eine schnellere Registrierung der Asylbewerber sei sicher notwendig. Aber: „Zehntausende Flüchtlinge an der Grenze in Haft zu nehmen, schafft mehr Probleme, als es löst.“ Der Vorschlag sei praktisch undurchführbar. Es wäre ein fatales Signal, Menschen als erstes in Haft zu nehmen, „weil sie in ihrer Heimat vor Krieg und Verfolgung geflohen sind“, fügte der Justizminister hinzu.

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Sind Transitzonen praktisch überhaupt umsetzbar?

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