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14.05.2008 
Debatte über die Wiederwahl des Bundespräsidenten

Köhler irritiert Finanzbranche

Mit ungewohnt harscher Kritik hat Bundespräsident Horst Köhler die Finanzbranche in Aufregung versetzt. „Die Finanzmärkte haben sich zu einem Monster entwickelt, das in die Schranken gewiesen werden muss“, sagte Köhler in einem „Stern“-Interview.

Köhlers Äußerungen sorgen auch deshalb für besondere Unruhe, weil derzeit seine mögliche zweite Amtszeit diskutiert wird. Quelle: dpaLupe

Köhlers Äußerungen sorgen auch deshalb für besondere Unruhe, weil derzeit seine mögliche zweite Amtszeit diskutiert wird. Quelle: dpa

sig/saf/doe/doh/fmd BERLIN/FRANKFURT. Der Bundespräsident, der früher Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) und damit einer der weltweit wichtigsten Finanzmarktaufseher war, kritisierte die Verantwortungslosigkeit von Bankern und die teilweise „bizarr hohen Vergütungen“.

In Politik und Bankenkreisen löste vor allem die Wortwahl überwiegend Kopfschütteln und Verwunderung aus. Unions-Fraktionsvize Michael Meister (CDU) zeigte sich irritiert. „Die Wortwahl des Bundespräsidenten hat mich überrascht“, sagte er dem Handelsblatt. Deutschland brauche offene und funktionierende Finanzmärkte für mehr Wachstum.

Offene Kritik äußerte auch FDP-Vize Rainer Brüderle. „Markt und Wettbewerb haben in Deutschland ohnehin schon einen schweren Stand. Die Politik sollte die bestehenden Vorurteile nicht auch noch durch Begriffe wie Monster nähren“, sagte Brüderle. Von einer „Dämonisierung“ der Finanzmärkte sprach der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Schick.

Auch die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro kritisierte das Bild des „Monsters“. „Dieser Vergleich ist zu stark. Ein großer Unfall trifft es eher – einige Banken waren mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs und sind aus der Kurve gefallen“, sagte sie dem Handelsblatt.

Köhlers Äußerungen sorgen auch deshalb für besondere Unruhe, weil derzeit seine mögliche zweite Amtszeit diskutiert wird. Bis Ende kommender Woche will der Bundespräsident erklären, ob er für eine zweite Amtsperiode bereit steht oder nicht. Union und FDP haben bereits zugesagt, ihn im kommenden Jahr wieder wählen zu wollen. So forderte CSU-Chef Erwin Huber die SPD am Mittwoch auf, sich hinter den Bundespräsidenten zu stellen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Finanzbranche spricht von Populismus

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