0 Bewertungen
14.05.2008 

Die SPD-Spitze hatte zunächst Zustimmung signalisiert – die allerdings von der linken SPD-Vize Andrea Nahles und anderen Vorstandsmitgliedern anschließend wieder in Frage gestellt wurde. Sie favorisieren eine eneute Nominierung der Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, Gesine Schwan. „Angesichts der Finanzmarkt-Kritik kann jetzt aber wahrscheinlich auch eine SPD-Linke wie Andrea Nahles Herrn Köhler wählen“, stichelte ein führendes CDU-Fraktionsmitglied.

Auch in der Finanzbranche warfen Köhler mehrere Manager Populismus vor, wollten sich allerdings nicht mit Namen zitieren lassen. Seine heftige Kritik am Finanzsystem ganz allgemein, so ein Insider, bediene gerade in Deutschland eine verbreitete Stimmung gegen alles, was nach Finanzspekulation riecht.

Harsche Attacken deutscher Politiker gegen die Finanzmarkt-Akteure haben Tradition. So hatte der frühere SPD-Chef und Vizekanzler der Großen Koalition, Franz Müntefering, Hedge-Fonds als „Heuschrecken“ bezeichnet. Auch Köhler selbst hatte im Handelsblatt-Interview (29.11.2007) bereits heftige Kritik geübt.

Gemischte Reaktionen erntete Köhler, der früher auch mal Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands war, zudem für sein gestriges Plädoyer, die Landesbanken mangels Perspektiven zu einer Zentralbank der Sparkassen zu fusionieren. So widersprach ihm Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU). „Die NordLB hat ein Spitzen-Geschäftsmodell. Daher haben wir die Krise auch gut bewältigt“, sagte Möllring. Außerdem sei die Zukunft der Landesbank Sache der Eigentümer. „Und die NordLB-Eigner sehen keine Notwendigkeit, etwas zu verändern.“

Zustimmung kam aber vom Deutsche Sparkassen- und Giroverband und der Wirtschaftsweisen Beatrice Weder di Mauro. „Sparkassen brauchen Landesbanken, sie benötigen deren Kapazitäten aber nicht in der heute vorhandenen Anzahl. Deshalb plädiere ich für eine Fusion von Landesbanken“, sagte DSGV-Präsident Heinrich Haasis. Auch Weder di Mauro forderte, dass aus der Finanzkrise „Konsequenzen gezogen werden müssen, speziell im Bereich der Landesbanken.“

Wunsch und Wirklichkeit

In seinem jüngsten Interview fordert Bundespräsident Köhler mit Blick auf die Kreditkrise eine strengere Regulierung der Finanzmärkte. Als er noch Chef des IWF (Foto) war und qua Amt genau das zu tun hatte, hörte sich das noch ganz anders an.

Aussagen Köhlers aus dem Jahr 2001, als die Internetblase platzte und die Finanzmärkte erschütterte: „Niemand hat das perfekte Wissen, auch nicht der Währungsfonds. Jedes Unternehmen, jeder Investor muss selbst sein Risiko abschätzen. Es ist nicht die Rolle des IWF, Investoren diese Verantwortung abzunehmen.“

„Es gibt Blasen und Volatilitäten, die Probleme aufwerfen. Dies muss zunächst das Risikobewusstsein der Marktteilnehmer schärfen.“

„Allerdings rate ich nicht dazu, die Entwicklung generell zu verteufeln oder in übertriebenen Regulierungen Zuflucht zu suchen.“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Steinmeiers Freunde und F...

    Steinmeiers Freunde und Feinde

    Alles läuft auf ihn zu: Frank-Walter Steinmeier könnte die SPD bei der Wahl 2009 anführen. Doch nicht alle führenden Genossen sind ihm wohl gesonnen. Wie jeder Politiker hat auch Steinmeier parteiinterne Gegner und Unterstützer. Seine Freunde und Feinde im Überblick. Bildergalerie 

  • „Datendieben den Garaus m...

    „Datendieben den Garaus machen“

    Auf einem Gipfeltreffen, das heute in Berlin stattfindet, suchen die Bundesregierung und Verbraucherverbände Wege, den illegalen Handel mit Kundendaten einzudämmen. Unternehmen fürchten das Verbot und warnen vor zu viel Regulierung. Einen Kompromiss zu finden könnte sc...Bildergalerie 

  • McCain begeistert die Rep...

    McCain begeistert die Republikaner

    Hurrikan Gustav und eine Schwangerschaft wirbelten den Parteitag der Republikaner durcheinander. Doch Vizekandidatin Palin begeisterte trotz des Familien-Skandals. Das Parteitreffen rundete dann John McCain mit einer umjubelten Rede ab.Bildergalerie 

  • Krönung und Konfetti

    Krönung und Konfetti

    Der Parteitag der Demokraten ist im vollen Gang. Die Show in Denver soll Begeisterung und Siegesgewissheit vermitteln. Es geht darum, die Herzen der Amerikaner zu gewinnen. Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Mac bleibt Mac - aber reicht das?  Artikel in Merkliste

05.09.2008 von Georg Watzlawek

John McCain ist sich bei seiner Abschlussrede auf dem Parteitag der Republikaner treu geblieben. Auf direkte Angriffe auf seinen Konkurrenten Barack Obama verzichtet er. Allerdings auch auf jeden konkreten Verweis, wie er seine Lebenserfahrung zum Wohle der Amerikaner im Inneren einsetzen will. Kommentar