Köhler milderte seine kritischen USA-Äußerungen ab
Köhlers Nominierung ist offiziell

Trotz seiner Kritik am Irak-Kurs der USA ist dem Präsidentschaftskandidaten von Union und FDP, Horst Köhler, die Untersützung im Oppositionslager sicher. In der Bundesversammlung stimmten am Dienstag alle 350 anwesenden Wahlleute für Köhler.

HB KÖHLER. Die Unionsfraktion in der Bundesversammlung nominierte den ehemaligen Direktor des Weltwährungsfonds am Dienstag offiziell zu ihrem Kandidaten für die Wahl am 23. Mai in Berlin. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen stimmten alle rund 350 anwesenden Wahlleute für den 61-Jährigen. In den vergangenen Wochen hatten sich bereits die Spitzengremien von Union und FDP auf Köhler als gemeinsamen Kandidaten verständigt. „Mit diesem Vertrauensvotum fühle ich mich sehr wohl“, sagte Köhler im Anschluss an die Abstimmung.

Allerdings fehlten bei der ersten gemeinsamen Sitzung der Bundestagsfraktion und der Delegierten rund 200 der insgesamt 539 Unions-Wahlmänner und -Frauen. Auch Prominente wie der Tennisstar Michael Stich oder die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein waren abwesend.

Vor den Delegierten relativierte Köhler nach Angaben aus Teilnehmerkreisen seine kritischen USA-Äußerungen. Bei einem Auftritt vor nordrhein-westfälischen CDU-Landtagsabgeordneten hatte er Washington im Zusammenhang mit der Irak-Politik „arrogantes Verhalten“ vorgeworfen. „Alle haben Fehler gemacht - sowohl die USA wie auch Europa“, sagte Köhler jetzt nach Teilnehmerangaben im Beisein der Vorsitzenden von CDU und CSU, Angela Merkel und Edmund Stoiber. Der Aufbau des Irak stehe „in unser aller Interesse“. Nun müsse man versuchen, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Merkel und Stoiber gingen nicht auf die kritisierten Köhler-Äußerungen ein.

Merkel sagte anschließend, Köhler habe deutlich gemacht, dass er für eine menschliche Gestaltung der Globalisierung stehe. Stoiber sagte, Deutschland erhalte mit Köhler einen „sehr politischen und einen sehr unabhängigen“ Bundespräsidenten. Nach seiner Überzeugung werde Köhler den Menschen Hoffnung geben, gleichzeitig aber auch die Probleme der Gegenwart deutlich ansprechen.

Gemeinsam mit den 83 Delegierten der FDP verfügen Union und Freidemokraten über 19 Stimmen mehr als zum Erreichen der absoluten Mehrheit bei der Wahl des Bundespräsidenten erforderlich. Köhlers Gegenkandidatin wird die von der SPD nominierte Hochschullehrerin Gesine Schwan sein.

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