Köhler-Rede zum Kriegsende
Blair warnt Deutsche vor "Opferkultur"

Die Rede von Bundespräsident Horst Köhler zum Jahrestag des Kriegsendes hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während einige Politiker und Medien Köhlers Worte lobten, gingen sie für andere nicht weit genug. Großbritanniens Premierminister Blair warnte die Deutschen indes vor einer "Opferkultur".

HB BERLIN. „Diese Rede war eine außerordentlich wichtige Erinnerungshilfe mit vielen Beispielen, um die Geschichte für junge Menschen anschaulich zu machen“, sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe der „Berliner Zeitung“ (Montag). „Erstmals hat sich ein Bundespräsident zu einem solchen Gedenktag bemüht, sich differenziert und gründlich mit der DDR- Geschichte auseinander zu setzen“, sagte der für den Aufbau Ost zuständige SPD-Politiker.

Auch die Zeitungskommentatoren lobten merheitlich die Worte des Bundespräsidenten. Köhler sei gut beraten gewesen, sich an der Rede von Richard von Weizsäcker vor 20 Jahren zu orientieren, so der Tenor. Weizsäcker hatte sich damals mit seiner wegweisenden Rede als Bundespräsident in die Geschichtsbücher eingetragen. Erstmals hatte sich ein deutsches Staatsoberhaupt unmissverständlich klar zu den Nazi-Verbrechen geäußert und den 8. Mai als einen „Tag der Befreiung“ gewürdigt.

Köhler selbst sprach von Schrecken und Scham, den die Deutschen auch heute, 60 Jahre nach Kriegsende und dem Zusammenbruch des verbrecherischen Hitler-Regimes, noch empfinden müssten. Er wandte sich mit Nachdruck gegen einen Schlussstrich unter die Verbrechen, die Deutschland während der Nazi-Zeit begangen habe. Gleichzeitig betonte er die Veränderungen in Deutschland. Deutschland werde in der Welt wieder geachtet. „Wir haben heute guten Grund, stolz auf unser Land zu sein.“



Kritisch äußerte sich dazu die Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Cornelie Sonntag-Wolgast (SPD). Köhler habe „zu viel Selbstsicherheit dieses Landes von heute verbreitet und deutlich zu wenig Warnung und Abkehr gegen den Rechtsextremismus ausgedrückt“, sagte Sonntag- Wolgast im Südwestrundfunk.

Es genüge nicht festzustellen, dass die Unbelehrbaren keine Chance hätten, man müsse auch ausdrücklich festhalten, dass sie keine Chance haben dürften. Sonntag-Wolgast hob hervor, Köhlers Feststellung „Es gibt keinen Schlussstrich“ sei „richtig und wichtig gewesen.

Der britische Premierminister Tony Blair warnte Deutschland davor, eine „Opferkultur“ um Vertriebene zu pflegen. Blair sagte der „Bild“-Zeitung vom Montag, es sei zwar richtig, dass Deutschland jener gedenke, die aus den ehemaligen Ostgebieten vertrieben worden seien. „Aber das darf nicht bedeuten, eine Opferkultur zu pflegen.“ Verantwortlich für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sei Deutschland gewesen. „Wir alle müssen mit seinen Folgen leben“, fügte der Premier hinzu.

Blair bezeichnete Deutschland als „Freund, Partner und Verbündeten“. „Das Deutschland von heute ist ein vollkommen anderes Land als das Vorkriegsdeutschland. Es ist eine mächtige und sichere Demokratie.“ Blair verwies zudem darauf, dass deutsche und britische Soldaten „Schulter an Schulter im Kosovo und in Afghanistan“ stünden.

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