Köln nach den Übergriffen
„Es bleibt ein mulmiges Gefühl“

Passanten auf dem Kölner Domplatz zeigen sich erschrocken über die sexuellen Übergriffe gegenüber Frauen in der Silvesternacht. Und auch die Polizeibeamten blicken anders auf zukünftige Massenveranstaltungen.
  • 0

KölnNach den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht vor dem Kölner Dom sitzt der Schreck bei vielen Menschen noch tief: „Es bleibt schon ein mulmiges Gefühl, besonders, wenn ich mir vorstelle, dass meine Tochter hier alleine langläuft“, sagt eine Passantin auf der Kölner Domplatte. „Ich erwarte, dass die Polizei mehr Präsenz zeigt.“

Auch Max (26) und Maria (21) aus der Schweiz haben von dem Gewaltausbruch in den Nachrichten gehört. Sie sind dennoch einen Tag später für einen Städtetrip nach Köln gekommen. „Bei so viel Polizei in der Gegend fühlen wir uns sicher“, sagt Maria. „Aber wenn die nicht wären und man als Frau alleine hier unterwegs ist, kann man sich schon unwohl fühlen.“

In lokalen Medien hatten Augenzeugen massive sexuelle Übergriffe geschildert. Frauen seien von jungen Männern eingekreist, sexuell belästigt und bestohlen worden. Im Kölner „Express“ berichtete ein am Einsatz beteiligter Polizist von einer 20-jährigen Frau aus Düsseldorf, der Unbekannte den Slip vom Körper gerissen hätten. Ein 49-jähriger Familienvater sagte dem „Kölner Stadtanzeiger“, sowohl seine Frau als auch seine 15 Jahre alte Tochter sei von den Tätern begrapscht, seinem 13-jährigen Sohn das Telefon gestohlen worden. Er selbst habe seine Familie in dem Gedränge zwischenzeitlich verloren.

„Es gibt keine 1000 Täter“

Ersten Angaben zufolge sollen die Täter junge Männer mit nordafrikanischen oder arabischen Wurzeln im Alter zwischen 15 und 35 gewesen sein, die sich in der Silvesternacht auf der Domplatte versammelt hatten und in Gruppen vorgingen. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag stellte Polizeipräsident Wolfgang Albers klar: "Es gibt keine 1000 Täter."

Vielmehr hätten sich 1000 Feiernde auf dem Platz befunden. Eine Zahl der Täter könne man noch nicht nennen, man wisse auch noch nicht viel über sie. Sicher könne man nur sagen, dass es sich um junge Männer handele. Der leitende Polizeidirektor Michael Temme kündigte für die Zukunft ein härteres Vorgehen der Polizei an. Es werde eine „niedrigere Eingreifschwelle geben“, so Temme.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte zuvor mit Polizeipräsident Albers ein neues Sicherheitskonzept der Stadt vorgestellt. Ziel sei es, dass sich sexuelle Massenübergriffe wie in der Silvesternacht nicht wiederholen. Mit Blick auf den bald anstehenden Straßenkarneval sagte Reker: „Wichtig ist, dass sich die Kölner das Karnevalfeiern nicht nehmen lassen.“

Als Reaktion auf die Übergriffe haben sich am Dienstagabend laut Polizei rund 250 bis 300 Menschen zu einer Solidaritäts-Kundgebung vor dem Kölner Dom versammelt. Es gehe darum, den betroffenen Frauen Solidarität auszudrücken, sagt eine Rednerin. Gleichzeitig warnt sie davor, ganze Volksgruppen pauschal zu verurteilen.

Die Polizei ist mit einem großen Aufgebot am Ort. Mindestens ein Dutzend Mannschaftswagen parkt vor dem Eingang des Kölner Hauptbahnhofs. Der zuständige Einsatzleiter der Polizei berichtet, ihm sei seit der Silvesternacht bislang keine Veränderung im Umgang mit den Bürgern aufgefallen.

„Privat gab es natürlich Reaktionen. Meine Frau war total schockiert“, sagt der Beamte. Gleiches gelte für die weiblichen Kollegen. „Es wird sich zeigen, ob das eine einmalige Sache war, oder ob wir zukünftig häufiger mit solchen Einsätzen rechnen müssen.“


Kommentare zu " Köln nach den Übergriffen: „Es bleibt ein mulmiges Gefühl“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%