Kofferbomber
„Muslime in Deutschland unter Druck“

Nach den vereitelten Kofferbombenanschlägen fühlen sich die Muslime in Deutschland in die Ecke gedrängt. Der Zentralrat der Muslime berichtet von „erschreckenden Beschimpfungen und Gewaltandrohungen“. Indes heißt es in einem Medienbericht, der bereits gefasste Youssef Mohamad E. H. sei schon vor dem Attentatsversuch als Radikaler aufgefallen.

HB KÖLN. Der Zentralrat der Muslime (ZDM) hat nach den vereitelten Attentaten in London und nach den Kofferbomben in Deutschland vermehrt Droh- und Schmähbriefe per Post und E-Mail bekommen. „Mit Erschrecken habe ich heute gesehen, was da alles gekommen ist an einem Tag: Beschimpfungen und Gewaltandrohungen“, sagte Generalsekretär Aiman A. Mazyek. Er befürchtet eine Spaltung der Gesellschaft. Muslime stünden in Deutschland zunehmend unter Druck.

„Wir müssen dagegen arbeiten, weil es letztendlich den Sieg der Terroristen bedeutet, wenn die Spaltung vonstatten geht“, sagte Mazyek. Ein Großteil der Muslime lebe „in der Mitte der Gesellschaft“. Jetzt spürten sie Ablehnung. Sie seien sehr stark verunsichert und darauf bedacht, sich ruhig zu verhalten. „Sie spüren, dass es kaum eine Rückendeckung gibt.“ Selbst die Muslime, die in Verbänden arbeiten, fühlten sich an den Rand gedrängt.

„Die Integration trägt keine Früchte. Das finde ich Besorgnis erregend“, sagte Mazyek. Er appellierte an die Politik, gegenzusteuern und auch ein Zeichen für die friedliebenden Muslime in Deutschland zu setzen. „Sie sollen Verständnis äußern, dass wir ein Teil der Gesellschaft sind. Wir leben ja nicht erst seit drei Jahren hier“, sagte er.

Bild für Bild: Die Spuren der Kofferbomber

Von den Sicherheitsbehörden erwarte er mehr „Kreativität“, wenn es um die Beschreibung von Täterprofilen geht. „Das Täterprofil wird nur an religiösen Dingen festgemacht“, sagt Mazyek. Es werde kein Wort über die persönliche Geschichte verloren. Aber die mache deutlich, dass die Täter aus den gesellschaftlichen Randbereichen kommen.

Die Fahndung nach dem zweiten Haupttäter des versuchten Terroranschlags auf den Nahverkehr der Bahn dauert unvermindert an. Der Flüchtige hat sich nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) mit hoher Wahrscheinlichkeit in Richtung Libanon abgesetzt. Die Fahndung nach ihm werde nun deutlich intensiviert, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke dem Auslandsfernsehen der Deutschen Welle. „Wir werden in Kürze mit einer neuen Plakatfahndung mit Echtfoto des zweiten Tatverdächtigen an die Öffentlichkeit gehen.“

Im Kölner Stadtteil Ehrenfeld setzten Polizei und BKA die Durchsuchungen eines Hauses fort. Der Zugang zu dem Mehrfamilienhaus, in dem der 20-jährige Dschihad H. wohnte, war weiterhin abgesperrt. Nur Anwohner, die sich ausweisen können, dürfen das dreistöckige Gebäude betreten.

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