„Kofferbomberprozess“
Kofferbomber soll lebenslang in Haft

Im Düsseldorfer „Kofferbomberprozess“ hat die Bundesanwaltschaft am Mittwoch eine lebenslange Haftstrafe für den angeklagten 24-jährigen Libanesen Youssef El H. gefordert. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass der Vorwurf des vielfachen versuchten Mordes zutreffend sei.

HB DÜSSELDORF. „Deutschland hat einem islamistischen Anschlag nie näher gestanden“, sagte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft, Duscha Gmel.

Der Angeklagte und sein Mittäter hätten bei der Tat im Sommer 2006 alles Erforderliche getan, um möglichst viele Menschen zu töten und auf diese Weise Angst und Schrecken zu verbreiten, sagte Gmel. „Die Beweislast ist geradezu erdrückend.“ Die Tat sei als Vergeltung für die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen gedacht gewesen. Der Mittäter wurde schon im Libanon verurteilt.

Die geplanten Anschläge auf Regionalzüge in Köln vor zwei Jahren hätten der Bundesanwaltschaft zufolge zu bis zu 75 Opfern führen können. Der Angeklagte sei „geistiger Urheber“ der Anschlagspläne.

Youssef El H. wird in dem im vergangenen Dezember begonnenen Prozess vorgeworfen, am 31. Juli 2006 in Köln zusammen mit einem Komplizen Bombenanschläge auf zwei Regionalzüge versucht zu haben. Beide Männer sollen in Koffern verpackte Gasbehälter mit Zeitzündern in den Zügen deponiert haben. Wegen eines handwerklichen Fehlers gingen die Bomben aber nicht hoch. Andernfalls hätte es bis zu 75 Opfer geben können, sagte Gmel. Beide Männer waren auf dem Bahnhof von Video-Kameras gefilmt worden. Hintergrund des versuchten Anschlags sei die Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen, für die der Angeklagte habe Rache üben wollen. Dieser hatte in dem von scharfen Sicherheitsmaßnahmen begleiteten Prozess beteuert, die Sprengsätze seien absichtlich so konstruiert worden, dass sie nicht hochgehen konnten.

Das Plädoyer der Bundesanwaltschaft hatte erst mit mehrstündiger Verzögerung begonnen. Grund waren neue Beweisanträge der Verteidigung, die die Kammer aber abwies. Die Verteidiger hatten gefordert, den mutmaßlichen Komplizen des Angeklagten, Jihad H., zu vernehmen. Dieser sitzt im Libanon in Haft, nachdem ihn ein Gericht in Beirut zu einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt hatte. Der Prozess in Düsseldorf soll nach der bisherigen Planung am 12. November mit dem Plädoyer der Verteidigung fortgesetzt werden. Das Urteil soll am 18. November folgen.

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