Kohl und sein unautorisiertes Buch
Kohl teilt aus, Blüm keilt zurück

Ein Buch, das gar nicht erscheinen sollte, schlägt hohe Wellen. Helmut Kohl rechnet darin mit Weggefährten ab, der Altkanzler wollte seine Worte aber nie gedruckt sehen. Einer, den er beleidigt hat, schlägt nun zurück.
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BerlinÄußerungen von Helmut Kohl, in denen der Altkanzler teils drastisch mit Parteifreunden abrechnet, sorgen für Unmut in der CDU. „Auf dem Niveau diskutiere ich nicht“, sagte der ehemalige Sozialminister der Regierung Kohl, Norbert Blüm, dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe). Kohl hatte in bisher unveröffentlichten Tonbandaufzeichnungen Blüm als „hinterfotzig“ und als „Verräter“ beschrieben. Auch Angela Merkel und Wolfgang Schäuble werden hart angegangen. Die Zitate sollen am morgigen Dienstag als Buch („Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“) im Heyne-Verlag veröffentlicht werden. Vorab hatte das Magazin „Der Spiegel“ daraus berichtet.

Kritik kam auch vom Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach. Die Aussagen würden Vorurteile in der Bevölkerung bestätigen, die sie über Politik hätten. „Über dem Tisch wird sich in staatsmännischer Manier freundlich mit Sekt zugeprostet – unter dem Tisch wird zugetreten“, sagte Bosbach dem Handelsblatt. Er selbst habe zu Beginn seiner politischen Arbeit gedacht, durch fleißige und ruhige Sacharbeit diese Vorurteile zu widerlegen. „Heute habe ich die Hoffnung nicht mehr“, sagte er.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Fuchs, verwies auf die Zeit, in der die Kohl-Äußerungen gefallen seien. Dies sei Anfang der 2000er-Jahre gewesen, auf dem Höhepunkt der  Parteispendenaffäre. Seitdem habe sich vieles geändert. „Ich bin mir sicher, dass Helmut Kohl die Lebensleistung von Kanzlerin Angela Merkel heute anders bewertet“, sagte Fuchs dem Handelsblatt. Kohl soll Merkel seinerzeit Ahnungslosigkeit vorgeworfen haben.

Der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, griff die Autoren des umstrittenen Buches und den Verlag scharf an. „Die Veröffentlichung dieser Tonbandabschriften ohne Zustimmung des Betroffenen ist der eigentliche Skandal. Hier werden Persönlichkeitsrechte verletzt“, sagte Bäumler dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Bäumler sprach von einem verantwortungslosen Handeln. Zugleich betonte der CDU-Politiker: „Die Verdienste Helmut Kohls für die deutsche Einheit, die Europäische Union und den sozialen Frieden in Deutschland schmälern diese Zitate nicht.“

In dem Buch erscheinen Auszüge aus jenen geheimen Gesprächen, die der frühere WDR-Journalist Heribert Schwan 2001/2002 mit Helmut Kohl führte, und die er nun zusammen mit dem Autor Tilman Jens publiziert hat. Kohl geht darin mit seinen Einschätzungen über frühere Weggefährten derbe, mitunter verletzend zur Sache.

Das Verhalten der Autoren sieht auch der Vorsitzende der Jungen Gruppe der Unions-Bundestagsfraktion, Steffen Bilger (CDU), kritisch. „Die Veröffentlichung solcher Aussagen gegen den Willen des Altbundeskanzlers finde ich nicht in Ordnung, weshalb ich sie auch nicht weiter kommentieren will“, sagte Bilger dem Handelsblatt.

Kommentare zu " Kohl und sein unautorisiertes Buch: Kohl teilt aus, Blüm keilt zurück"

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  • Ja, das sind gute und einsichtige Kommentare hier. Aber eines vermisse ich, nämlich die Feststellung, daß etwa 70% aller Wahlberechtigten Bürger dieses Landes den Blockparteien SPD und CDU/CSU weiterhin das "Vertrauen" aussprechen. Ist das nun Toleranz oder nackte Ignoranz? oder schlichte und einfache Unfähigkeit zur Demokratie?

  • Also, Sergio Puntila, da kann ich nur sagen: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als solche Typen wie Blüm und Kohl ins Himmelreich ein: die werden im neunten Höllenkreis Dantes kopfüber in den Löchern stecken.

  • Über Kohls eigene Versäumnisse, für die wir alle bereits viel gezahlt haben und zukünftig noch zahlen werden, kommt nichts ans Licht. Aber wer etwas Vernunft walten lässt, und davon soll es in diesem Lande doch noch einige Zeitgenossen geben, ist sowieso schon aufgeklärt: Die deutsche Einheit hat er teuer gemacht, weil er in seiner Großmannssucht nicht abwarten konnte, bis sie ihm in den Schoß gefallen wäre. Die sogenannten Großdemonstrationen der DDR-Bürger waren Anlaß, nicht Ursache der Grenzöffnungen. Ursache war die wirtschaftliche Lage des Ostblocks – die Moskauer Komsomolzen hatten noch nicht einmal mehr das nötige Heizmaterial für ihre Datschen. Und darüber hinaus hat er noch völlig überflüssiger weise dem Mitterrand die Mitgliedschaft in einer Währungsunion versprochen, die nun ganz Europa ruiniert, was vernünftig denkende Zeitgenossen schon 1988 wussten. Neu an den „Enthüllungen“ ist für mich, daß die Merkel Schwierigkeiten beim Essen mit Messer und Gabel hat, das sie unfähig ist, ein demokratisches Land zu regieren, dürfte keine neue Erkenntnis sein, sondern lange bekannt, denn sie hat ja nur die Qualifikation einer FDJ-Sekretärin von Mecklenburg-Vorpommern. Ja, und das Norbert Blüm ein abgefeimter Lügner ist, dürfte auch schon allgemein bekannt sein. Wo liegen also die Schwierigkeiten einer Veröffentlichung der Kohl-Protokolle?

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