Kohlekraftwerk
Wirtschaft sorgt sich um Zukunft der Kohlekraft

Das drohende Aus für das Kohlekraftwerk des Vattenfall-Konzerns in Hamburg-Moorburg zieht weite Kreise. Die Energiewirtschaft warnt davor, Kohle als Energieträger zu verteufeln. Auch die deutsche Industrie zeigt sich alarmiert – und warnt vor Versorgungsengpässen.

BERLIN. „Heute auf Kohle zu verzichten, schafft morgen Versorgungslücken“, sagte RWE-Chef Jürgen Großmann dem Handelsblatt. „Die Welt setzt auf Kohle, jedenfalls bei 70 Prozent aller derzeit im Bau befindlichen Kraftwerke“, sagte er.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte vor hohen Risiken durch drohende Versorgungsengpässe. „Ohne Kernkraftwerke und neue klimafreundliche Kohlekraftwerke ist die Energieversorgung akut gefährdet“, sagte Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf dem Handelsblatt. Der BDI verlange von der Regierung ein zusammenhängendes Energiekonzept und „unverzüglich eine Aufklärungs- und Akzeptanzkampagne“ für neue Kraftwerke und ein modernes Stromnetz. Steigende Energiepreise gefährdeten „den Industriestandort Deutschland und damit Hunderttausende von Arbeitsplätzen“.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) lehnt zwar eine längere Nutzung der Kernenergie weiter ab, doch verteidigte auch er den Bau neuer Kohlekraftwerke. Deren Gegnern warf Gabriel im „Spiegel“ vor, die wirtschaftliche Zukunft aufs Spiel zu setzen. Zudem leisteten die Gegner neuer Kohlekraftwerke einer längeren Nutzung der Kernenergie geradezu Vorschub.

Großmann betonte, dass es gleich im mehrerer Hinsicht Vorteile bringe, alte durch neue Kohlekraftwerke zu ersetzen. Denn neben der Versorgungssicherheit würden damit auch Wettbewerb und Umweltschutz gestärkt. Bevölkerung und Politik sollten daher ihren Widerstand gegen Kohlekraftwerke aufgeben, mahnte er. Das Ziel einer CO2-Einsparung um 30 Prozent lasse sich „gerade mit modernen Kohlekraftwerken erreichen“.

Der RWE-Chef stützt damit die Position des Konkurrenten Vattenfall. Werde Moorburg wegen entsprechender Festlegungen von CDU und Grünen in Hamburg nicht gebaut, blieben ältere, wenig effiziente Kohlekraftwerke über Jahre am Netz, die eigentlich vom Kraftwerk Moorburg verdrängt werden sollten, sagte der Chef von Vattenfall Europe, Tuomo Hatakka.

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