Kohlendioxidspeicherung
Energieversorger sehen Zukunftstechnologie gefährdet

Deutschland droht bei einer wichtigen Zukunftstechnologie den Anschluss zu verlieren: "Andere Länder sind uns beim Thema Kohlendioxidspeicherung voraus", sagte Stefan Dohler, Mitglied des Vorstandes der Vattenfall Europe AG, bei der Weltenergiekonferenz in Montreal. Der Vorsprung anderer Länder dürfte eher noch wachsen.
  • 2

MONTREAL. Das Gesetz der Bundesregierung zur Kohlendioxidspeicherung, das das Kabinett noch in diesem Monat verabschieden will, stellt aus Sicht von Energieversorgern und Anlagenbauern keine geeignete Basis für Investitionen in die Technik dar. Die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid ("Carbon Capture and Storage", kurz CCS) gehört zu den wichtigen Instrumenten im Kampf gegen den Klimawandel. Gerade Energiekonzerne wie Vattenfall und RWE, die stark auf die klimaschädliche Verbrennung von Braunkohle zur Stromerzeugung angewiesen sind, suchen händeringend nach Möglichkeiten, um ihre Kohlendioxidbilanz aufzubessern. CCS soll dabei in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Vattenfall betreibt am Kraftwerksstandort Schwarze Pumpe in Brandenburg bereits eine kleine Pilotanlage mit einer installierten Leistung von 30 Megawatt (MW), in der das Kohlendioxid zwar abgeschieden, aber noch nicht gespeichert wird. Am Standort Jänschwalde will das Unternehmen den nächsten Schritt wagen und eine 300-MW-Demonstrationsanlage bauen, die den kompletten Prozess von der Abscheidung bis zur Speicherung abbildet. Für das Kraftwerk sind Investitionen von 1,5 Mrd. Euro geplant. Die EU steuert 180 Mio. Euro bei. Die Anlage soll 2015 ans Netz gehen. Damit bringt Vattenfall die CCS-Technik nahe in Richtung Großkraftwerk. Zum Vergleich: Kohlekraftwerksblöcke ohne CCS bewegen sich in einem Leistungsbereich um die 1000 MW.

Doch damit dürfte das Thema CCS in Deutschland zunächst erledigt sein. Im Energiekonzept der Bundesregierung ist zwar noch von zwei Projekten die Rede, doch die Branche winkt ab. Nach Jänschwalde werde nichts mehr kommen, heißt es. Die Branche sieht die Schuld beim Gesetzgeber: "Der CCS-Gesetzentwurf der Bundesregierung weist einige Defizite auf. Sie betreffen die Haftung und die konkurrierende Nutzung. Wer auch immer behaupten kann, eine Kohlendioxidspeicherstätte komme auch für die Lagerung von Gas in Betracht oder stehe einer geothermischen Nutzung im Wege, kann die Pläne für eine Kohlendioxidspeicherung damit durchkreuzen", sagt Vattenfall-Manager Dohler. Mit diesen Unsicherheiten kann die Branche nur schwer leben: "Ohne ein Speichergesetz, das den Interessen der Branche Rechnung trägt, werden wir Probleme bekommen", warnt Dohler.

Doch die Chancen für eine Nachbesserung des CCS-Gesetzentwurfes sind gering. Schon die Vorgängerregierung hatte sich lange mit einem CCS-Gesetz gequält und war schließlich gescheitert. Auch in der schwarz-gelben Koalition gab es monatelange Verhandlungen, ehe sich Umwelt- und Wirtschaftsministerium auf einen gemeinsamen Gesetzentwurf verständigt hatten. Nun will man auf jeden Fall Tatkraft beweisen und das Gesetz schnell verabschieden. Zwei Energieversorger haben das Thema CCS in Deutschland bereits zu den Akten gelegt: RWE verfolgt seinen Plan, ein CCS-Kraftwerk im nordrhein-westfälischen Hürth zu bauen und das Kohlendioxid per Pipeline nach Schleswig Holstein zu pumpen, um es dort in den reichlich vorhandenen unterirdischen Speicherstätten zu lagern, derzeit nicht mehr. Und Eon verwirklicht seine CCS-Pläne nicht in Deutschland, sondern im niederländischen Maasvlakte.

"Die Bundesregierung weist gerne darauf hin, die CCS-Technik habe das Zeug dazu, ein Exportschlager zu werden. Wenn wir aber nicht bei uns im Land zeigen können, wie die Technik funktioniert, wird es schwierig", sagt Vattenfall-Manager Dohler. Wer eine komplette Anlage sehen will, in der das Kohlendioxid abgeschieden und gespeichert wird, muss in die USA fahren. Dort hat der französische Anlagenbauer Alstom zusammen mit dem US-Energieversorger AEP in West Virginia bereits vor einem Jahr ein CCS-Kraftwerk in Betrieb genommen. RWE ist bei dem Projekt an der Speicherung beteiligt. Alstom gehört zu den führenden Unternehmen bei der CCS-Technologie. Die Franzosen sind nicht nur in den USA, sondern auch in Norwegen, Frankreich, Polen, Schweden und Kanada an CCS-Projekten in verschiedenen Größenklassen beteiligt. Auch beim Vattenfall-Projekt in Jänschwalde gehört Alstom zu den Bietern. Allerdings beobachten die Alstom-Manager die Entwicklung der Rahmenbedingungen in Deutschland sehr zurückhaltend. Das sich abzeichnende CCS-Gesetz ist aus ihrer Sicht keine besonders gute Basis für das CCS-Geschäft.

CCS gehörte zu den Themen der Weltenergiekonferenz in Montreal, die am Donnerstag zu Ende ging. Mit rund 70 Umwelt- und Energieministern und insgesamt knapp 6000 Teilnehmern aus 137 Ländern war das Treffen die bislang größte Weltenergiekonferenz überhaupt. Die Frage des Zugangs zu kostengünstigen fossilen Energieträgern wie Kohle, Gas und Erdöl nahm in Montreal einen hohen Stellenwert ein. Den Prognosen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zufolge wird die fossile Energieerzeugung gerade in Schwellenländern wie Indien und China in den kommenden Jahren drastisch wachsen. IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol verwies in Montreal auf die enormen Kohlereserven der Chinesen. Es sei nicht auszuschließen, dass das Land bald wieder zum Kohlexporteur werde, sagte Birol. Die Folge: Der Weltmarktpreis für Kohle dürfte sinken, das Interesse von Schwellen- und Entwicklungsländern, Kohlekraftwerke zu bauen, somit steigen. Ohne CCS wären die Folgen für das Klima dramatisch.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Kohlendioxidspeicherung: Energieversorger sehen Zukunftstechnologie gefährdet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer die Tötung eines Menschen billigend in Kauf nimmt, ist ein Verbrecher. Und wer sie billigend in Kauf nimmt, um sich oder sein Unternehmen zu bereichern, ist ein Mörder. Wir müssen uns darüber klar werden, daß hier einige Wirtschaftsstrategen - getrieben von einer verantwortungslosen und völlig durchgedrehten Politik - allen Ernstes vorhaben, Millionen von Tonnen konzentriertem CO2 in die Erde zu pressen - bei einem Druck von 200 bar! Aber die Erde ist nicht dicht, und falls sie es ist, dann muß sie es nicht unbedingt bleiben. Wenn das Gas eines Tages aus der Erde austritt, dehnt es sich aus und wird dadurch kalt und schwer, es bildet einen "See", der am boden entlang fließt und alles tierische Leben erstickt. 15 Sekunden bleiben einem Menschen, der konzentriertes CO2 einatmet, bis zum Eintritt der bewußtlosigkeit, und 70 Sekunden bis zum Hirntod. in Kamerun gab es 1986 bei einem natürlichen CO2-Ausbruch am Nyos-See 1.700 Tote. Wie viele dürfen es in Deutschland sein? Die CO2-Erwärmungslehre allgemein ist ein Fall für die Psychatrie, aber bei CCS hilft nur noch der Staatsanwalt.

  • Kohlenstoffdioxid speicherung ist der größe Schwachsinn überhaupt. Selbst wenn man kurzzeitig große Mengen Gas im Gestein "parken" kann , dann wird es ganz natürlich zur Freisetzung der Gasvorkommen kommen durch kleiner Erdbeben usw.
    Wenn nicht schon vorher der Druck die Erde aufspalten wird! Dies ist wieder nur eine Problem verschiebung in die Zukunft!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%