Kohls 75. Geburtstag ist der CDU keine Feier wert
Akademisches Gedenken statt frohem Jubel

Ehre, wem Ehre gebührt? Am Sonntag, seinem 75. Geburtstag, bereitet die Partei Helmut Kohl keine Bühne. Nicht mal eine klitzekleine. Ein Dreivierteljahrhundert Kohl wird nicht begangen.

BERLIN. Zwar haben sie ihren Frieden miteinander geschlossen, der Kanzler der Einheit und die Partei der Vielheit. Man hat den „Dicken“ zwar ehrenhalber in das Gewand des „Elder Statesman“ gezwängt, den Kohl, der 25 Jahre Parteichef war. Und man hat den Rekordkanzler, warm in den Mantel der Geschichte verpackt, hermetisch versiegelt. Doch den Politiker, der sein Ehrenwort in der Affäre um schwarze Kassen über die Parteidisziplin stellte und die CDU in die tiefste Krise ihrer Existenz schickte, den feiert man nicht. Kohl feiert privat.

Tatsächlich spendiert ihm die Partei ein nett verpacktes Gnadenbrot der Ehrung. Etwa wenn die Konrad-Adenauer-Stiftung ihm am 12. April ein Symposium schenkt: „Helmut Kohl – ein Leben für Deutschland und Europa“. Das politische Geschäft will sich die Partei von dem längst in die Brunnentiefe der Vergangenheit abgeseilten Altkanzler auch dann nicht stören lassen.

Das Symposium mit Henry Kissinger, Jacques Delors, Reiner Kunze und auch Angela Merkel soll an jenem Dienstag von 10 bis 16 Uhr (Mittagspause: 13 bis 14 Uhr) dauern. Kohl teilt sich das Schlusswort mit Bernhard Vogel, Ministerpräsident und ebenfalls Politiker a. D., jetzt Vorsitzender der Adenauer-Stiftung. Doch während der Pfälzer gerade anheben wird zu seiner staatspolitischen Retrospektive, wird schon ein Rumoren durch die womöglich leicht gelichteten Reihen gehen.

Und auch wenn der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, noch über die Frage sinniert: „Auf welchen Grundlagen kann die junge Politikergeneration aufbauen?“, läuft woanders längst das reale Leben der Partei auf Hochtouren weiter: Denn seit 15 Uhr tagt dann die CDU-Fraktion im Reichstag. Geschäftsmäßig, tagesaktuell. Das ist das Prä der operativen vor der symbolischen Politik, das ist die Vorfahrt der Zukunft vor der Vergangenheit. Das ist harte Politik, in der sie nie wiederkommen, wenn sie einmal k.o. gegangen sind. Kohl weiß das, CDU-Chefin Angela Merkel weiß das. The Show must go on.

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