Kohls Amtsjubiläum
Viel Ehr', viel Briefmarke

Die CDU feiert Altkanzler Helmut Kohl. Es geht nicht mehr darum, alte Schlachten zu schlagen, sondern allein um eines: die Partei für die Bundestagswahl 2013 fit zu machen.
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BerlinEs dauert mehr als zwei Stunden, bis es zum Höhepunkt des Abends kommt. Helmut Kohl sitzt in seinem Rollstuhl, oben auf der Bühne, neben ihm eine überdimensionierte Briefmarke mit seinem Konterfei. Gerade hat ihm Kanzlerin Angela Merkel die Sonderbriefmarke übergeben und weiß nicht so recht, ob sie sich jetzt wieder in die erste Reihe setzen soll oder nicht. Sie setzt sich, um Kohl zuzuhören. Dem seit 2008 kranken Altkanzler fällt das Reden schwer.

Doch er will sich bedanken. Dank sagen den Gästen, Dank sagen für die vielen Grußworte und Videobotschaften von Staatsmännern aus aller Welt. „Bewegend“ sei es für ihn. Ihn habe in seinem politischen Leben der Satz geleitet, Europa dürfe nie wieder im Krieg versinken. „Lassen Sie uns die Zeit nutzen. Ich weiß nicht, was der liebe Gott mit mir vor hat“, sagt er. Aber das „friedliche Europa“ und das „friedliche atlantische Bündnis“ seien weiter ein großes Ziel. „Machen wir uns auf den Weg.“

Wie bei einem Staatsakt ging es zu bei der Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Titel: „Kanzler der Einheit – Ehrenbürger Europas“. Ort: Das Deutsche Historische Museum in Berlin. Anlass der Ehrung: Am 1. Oktober, vor 30 Jahren, schafften Helmut Kohl, die Union und die FDP den Wechsel der Bundesregierung mit einem konstruktiven Misstrauensvotum. An diesem Abend wollte die CDU ihren Altkanzler ehren und auch eine Duftmarke setzen – für den Bundestagswahlkampf 2013.

Wenn sich 700 Gäste zu Ehren Helmut Kohls einfinden, treffen Welten aufeinander. Da ist die Bonner Republik in Person von einen Theo Waigel (Finanzminister), Wolfgang Bötsch (Post) oder Rita Süßmuth (Bundestagspräsidentin). Da ist die Berliner Republik mit Norbert Lammert (Bundestagspräsident), Angela Merkel (Kanzlerin), Philipp Rösler (Wirtschaft). Ja, sogar Wolfgang Schäuble (Finanzen) findet den Weg, obwohl er mit Kohl seit 1998 gebrochen hat. Die Sonderbriefmarke aber mag er als zuständiger Minister an diesem Abend doch nicht übergeben. Alle Gäste eine die „Hochachtung“ für den heute 82-Jährigen, wird Merkel in ihrer Laudatio sagen.

Ein gute viertel Stunde braucht Hans-Gert Pöttering, einst Präsident des EU-Parlaments, um auch nur die prominentesten Gäste anzukündigen. Hinter dem Rednerpult schmücken Standarten mit den Flaggen Deutschlands, Europas und der Stiftung das Bild. An einer Leinwand prangt das Bild, Kohls 1982 im Bundestag, die rechte Hand gehoben, den Blick auf den Text mit dem Eid gerichtet, den er sprach, als er Kanzler wurde. 16 Jahre sollten seine Amtszeit währen. „Er hat sich um Deutschland und Europa verdient gemacht – Herzlichen Dank Helmut Kohl“, schließt Pöttering seine Einleitung.

Kommentare zu " Kohls Amtsjubiläum: Viel Ehr', viel Briefmarke"

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  • es ist unerträglich, dass ein Gesetzesbrecher (im Millionenmasstab) mit einer Briefmarke geehrt wird, ein Mafioso mit Omerta-Schwur und wahrscheinlich ein Bestochener (warum sonst das alles?)

  • @NLdeutsche sagt:

    Ehm - ist Ihnen bekannt dass das ERSTE LAND, dass den Maastrichter Vertrag GEBROCHEN hat die BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND war und kein anderes? Gleich zweimal hinter einander, unter Schroeder/ Eichel??? Und GEWEIGERT die Strafe von 0.5 % des BIP zu zahlen?? Die BRD hat die Schleusentore aufgemacht, kein anderer...
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    Mann sind Sie schlau: ja stimmt, wir hätten auch die Bilanzen besser fälschen sollen, dann hätte es auch keiner gemerkt. Warum hat sich Deutschland wohl geweigert....
    Alles eine Murkserei, bei denen sich die Gesetzesbrecher gegenseitig belügen. Eigentlich amüsant, wenns nicht so teuer wäre.

  • Kohls Beitrag zur Wiedervereingung ist sicherlich vorhanden und nicht zu unterschätzen. Allerding hat sich der Souverän (d.h. das Volk, nicht Kohl) zur Wiedervereinigung entschlossen. Kohl hat es umgesetzt, dafür verdient er Anerkennung. Die Umsetzung war aber nur leidlich gut. Allerding hätte die SPD die Wiedervereinigung bereits aus ideologischen Gründen im Vorfeld verhindert oder noch gründlicher vermurkst, insofern Glück gehabt, dass gerade die CDU am Ruder war. Für die Pflege der deutsch franz und russischen Freundschaft verdient er Dank, aber nebenbei: das hätte jeder andere vernünftige Mensch auch hingebracht. Herr Doktor (darauf legt er wert)Kohl ist in Person eher nicht geradlinig (Spendenaffäre, "Ehrenwort" um nur ein paar Dinge zu nennen). Die EUR-Fehlkontruktion hat er wesentlich mitzuverantworten. Insofern zeigt die Ehrung von vor allem Kohl, dass sich der Politzirkus selbst feiert: alles vergeben und vergessen. Nur die Generationen von Steuerzahlern dürfen ihre Lasten nie vergessen. Glleichwohl wünsche ich Kohl Gesundheit, sein Zustand ist unerfreulich.

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