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06.04.2008 

Allerdings werden Angestellte auf Zeit an ihren Einsatzorten schlechter bezahlt als ihre Kollegen. Die Löhne liegen oft 30 Prozent unter denen der Stammbelegschaft. Was die SPD als „Lohndumping“ geißelt, begründen die Unternehmen mit höheren Kosten: Ist ein Zeitarbeiter einmal nicht im Kunden-Einsatz und faktisch ohne Arbeit, überweist das Zeitarbeitsunternehmen weiter das normale Gehalt. Das Risiko trägt also das Zeitarbeitsunternehmen.

Die Sozialdemokraten wollen das nicht gelten lassen. So fordert Parteichef Kurt Beck: „Grundsätzlich muss gelten: gleicher Lohn für gleiche Arbeit.“ Beim Mindestlohn soll es daher nicht bleiben. Auf ihrem Hamburger Parteitag hat die SPD beschlossen, dass Zeitarbeiter „nach einer angemessenen Einarbeitungszeit“ genauso bezahlt werden sollen wie Stammarbeiter.

Im April startet auch die IG Metall unter dem Slogan „Gleiche Arbeit, gleiches Geld“ eine große Kampagne. Das Ausmaß der Leiharbeit habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und nichts mehr damit zu tun, nur Auftragsspitzen abzufangen, sagt Detlef Wetzel, stellvertretender Vorsitzender der IG Metall. „Hier handelt es sich um Ungerechtigkeiten, um Missbrauch – die Unternehmen überziehen bei diesem Thema. Wir müssen die Schraube wieder ein Stück zurückdrehen.“

David Schätze ist gelernter Werkzeugmechaniker und arbeitet tatsächlich jeden Tag mit Schrauben. Die neue Qualität in seinem Leben macht sich daran bemerkbar, dass er seit zwei Monaten mehr Geld verdient. Und daran, dass der Wäschekorb in seiner Wohnung nicht mehr überquillt. Als Schätze noch Zeitarbeiter war, da musste er seine Latzhose nach der Arbeit selbst in die Waschmaschine stecken. Doch seit er zur Stammbelegschaft gehört, arbeitet er in der blauen Betriebskluft mit dem Firmenlogo auf der Brust. Seine Hose wird jetzt im Betrieb gewaschen. Auf Firmenkosten.

Der 24-Jährige hat einen neuen Job, der eigentlich der alte ist: Mit einer Zentriermaschine fräst er Löcher in Stahlwellen. Die Späne, die er mit dem Präzisionsgerät aus armdicken Zylindern schält, fallen in zarten Locken aus der Maschine. Seit anderthalb Jahren arbeitet der gelernte Werkzeugmechaniker schon für das Pumpenunternehmen KSB AG in Halle. Zuerst fuhr er jeden Morgen als Zeitarbeiter in den Betrieb. Seinen Arbeitsvertrag hatte er beim Personaldienstleister DIS AG unterschrieben. Im Februar wurde Schätze als Stammarbeiter von KSB übernommen. „Jeden Morgen freue ich mich darüber“, sagt er.

Aus Schätzes Brusttasche lugt ein Kugelschreiber mit dem DIS-Schriftzug. Als Andenken. „Es war ja immer mein großes Ziel, dass ich fest angestellt werde“, sagt Schätze. Die Zeitarbeit sei für ihn eine Chance gewesen. Nach seiner Ausbildung hatte er einen Job gesucht. Vergeblich. Eine Weile schlug er sich als Hausmeister durch. „Aber ich brauche nun mal Eisenspäne in meinem Leben“, sagt Schätze. Er hat sich angestrengt bei KSB, jeden Tag, und fast genauso oft den Betriebsleiter gefragt, wie es denn mit einer Übernahme aussieht. „Ich habe was gezeigt – und das hat sich jetzt ausgezahlt“, sagt Schätze.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Warum Firmen nicht auf Zeitarbeiter verzichten können.

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