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06.04.2008 

Doch was als flexibles Instrument für Auftragsspitzen gedacht ist, gerät inzwischen in Misskredit. Gewerkschaften fürchten, Zeitarbeit könne reguläre Stellen verdrängen – und als Beleg gilt ihnen der Fall BMW. Von den 3 500 Beschäftigten, die im Leipziger Werk die Wagen der 3er-Reihe zusammenschrauben, sind rund 1 000 über eine Zeitarbeitsfirma angestellt. Diese Personalpolitik beklagen die Gewerkschaften sehr laut. Ihre Solidarität war jedoch eher leise, als im Dezember durchsickerte, dass der Konzern in Deutschland 8 000 Arbeitsplätze streicht – fast alle in der Zeitarbeit. Mit Gewerkschaften können die meisten Zeitarbeiter wenig anfangen.

Doch für die These, dass Unternehmen ihre Stammbelegschaft flächendeckend vor die Tür setzen, um sie durch billigere Zeitarbeiter auszutauschen, gibt es keinen Beweis. Auch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung analysiert: „Die Zahlen legen nahe, dass es bislang keinen weitverbreiteten Trend gibt, vollzeitbeschäftigte Stammarbeiter durch Leiharbeiter zu ersetzen.“

Allerdings streiten die Experten auch darüber, wie hoch der Klebeeffekt in der Branche tatsächlich ist. Während die Arbeitgeber auf die Zahlen der BA verweisen, nach der jeder dritte Beschäftigte die Zeitarbeit nur als Sprungbrett in einen regulären Job nutzt, sagen die Gewerkschaften, dass nur jeder 20. Zeitarbeiter übernommen wird. Unbestritten aber ist, dass Facharbeiter häufig von ihren Kundenunternehmen umgarnt und umworben werden, Hilfskräfte dagegen haben es schwer.

Daniel Reuß hatte sechs Monate lang einen Job gesucht, bevor er bei einem großen deutschen Leiharbeits-Unternehmen anheuerte. Der 24-Jährige stand bei einem Automobilzulieferer am Band, füllte für ein Chemieunternehmen Kunststoffgranulat in Säcke, stemmte auf dem Bau Wände auf. Und immer schwang die Hoffnung mit, dass er irgendwann eine echte Chance bekommen könnte, dass ein Kunde ihn einstellen würde. Für immer. „Das Wort Festanstellung“, sagt Reuß, „lässt bei jedem Leiharbeiter die Augen funkeln.“ Einmal hätte es fast geklappt. Ein Kunststoff-Veredelungsbetrieb wollte Reuß übernehmen. Doch sein Verleihunternehmen forderte eine Abfindung von fast 5 000 Euro. Am Ende verzichtete der Kunde. Zu teuer, hieß es.

Dass Zeitarbeitsunternehmen eine Ablösesumme fordern, wenn ein Kunde einen Mitarbeiter übernehmen will, ist branchenüblich. Im Rahmen-Arbeitnehmerüberlassungsvertrag der Firma Randstad heißt es etwa: „Bei Begründung eines Arbeitsverhältnisses zwischen dem Entleiher/Auftraggeber und einem Randstadt-Bewerber oder -Mitarbeiter wird ein Vermittlungshonorar in Höhe von zwei Bruttomonatsgehältern fällig.“ Randstad erklärt, es sei selbstverständlich, die Vermittlungsdienstleistung zu berechnen. Schließlich betreibe ein Personaldienstleister erheblichen Aufwand für die Personalsuche, und bei einer Abwerbung sei das Personal „durch die Arbeitnehmerüberlassung nicht mehr zu amortisieren“. Doch während Vermittlungshonorare für Facharbeiter gezahlt werden, sind sie für Hilfskräfte eine Hürde.

Inzwischen allerdings tummeln sich immer mehr Fachkräfte auf dem Markt. „Vor fünf Jahren lag der Anteil der Ingenieure bei den Zeitarbeitern noch bei null, inzwischen sind es vier bis fünf Prozent“, sagt Ingrid Hofmann, Vizepräsidentin im Bundesverband Zeitarbeit Personal Dienstleistungen. Nach einer Studie des Bonner IWG gelten heute schon zehn Prozent der Zeitarbeiter als Spezialisten: Ingenieure, Techniker, IT-Experten, Ärzte oder Wirtschaftsprüfer. Auch bei Branchenriesen wie Randstad oder Manpower werden mehr und mehr Experten nachgefragt.

Lesen Sie weiter auf Seite 6: Zeitarbeit als Seismograf der Konjunkturlage

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