Kommentar: Auf einmal sind alle gegen Kernkraft

Kommentar
Auf einmal sind alle gegen Kernkraft

Durch die Katastrophe in Japan ist bei der Kernenergie keine neue Faktenlage entstanden, nur wird uns das Risiko bewusster. Es gibt gute Gründe für Atomkraftwerke - und auch ein völliger Ausstieg hätte Nebenwirkungen
  • 16

Es ist schon atemberaubend, mit welcher Geschwindigkeit in Deutschland plötzlich fast jeder, der sich laut äußert, zum Kernkraftgegner mutiert ist. Und erstaunlich ist auch, wie häufig die Rede davon ist, dass jetzt "neue Fakten" zu berücksichtigen seien, oder dass "eine ganz neue Lage" entstanden sei.

Demgegenüber ist festzuhalten: Geändert hat sich vor allem die Wahrnehmung der Kernkraftrisiken. Grundsätzlich neue Erkenntnisse liefert das Drama in Japan nicht. Außerdem sollte man auch in der Stunde der Gefahr offen sagen: Kernkraftwerke werden ja nicht nur gebaut, weil es eine Kernkraftlobby gibt. Sondern es gibt gute Gründe dafür - auch ökologische Gründe: Wer keine Kernkraft will, nimmt zusätzliche Verbrennung fossiler Rohstoffe in Kauf. Und daran hat sich auch nichts geändert. Wer die Diskussion verantwortungsvoll führen will, sollte diese Gründe jetzt nicht einfach wegschieben.

Wir alle haben gewusst, dass Atomkraft eine gefährliche Technik ist. Wir sind dieses Risiko aber bewusst eingegangen. Das gilt jedenfalls für alle, die einen klaren Kopf haben. Die Atomlobby hat in der Tat versucht, die Risiken quasi wegzugaukeln. Etwa, indem sie uns extrem niedrige Wahrscheinlichkeiten vorgerechnet hat - obwohl niemand ernsthaft die Wahrscheinlichkeit berechnen kann, dass zum Beispiel Techniker grobe Fehler machen oder Terroristen einen Anschlag verüben. Verräterisch ist auch die Vokabel "Restrisiko", die das Risiko als eigentlich nicht vorhanden charakterisieren soll. Ebenso verräterisch ist, dass seit Jahrzehnten von "Endlagern" die Rede ist. So als könnte man strahlenden Müll für alle Zeiten sicher verbuddeln.Es wäre ehrlicher, wir würden das Zeug an der Erdoberfläche lassen und gut bewachen - für etwa 20.000 Jahre, aber das ist ja noch ein überschaubarer Preis, den unsere Nachfahren für unseren Wohlstand zahlen müssen. Wer nüchtern denkt, hat sich schon vor der Katastrophe in Japan von der scheinbaren Sicherheit nicht einlullen lassen.

Die Katastrophe in Japan war nicht überraschend, sie war nur relativ unwahrscheinlich. Es hat sogar Experten gegeben, die vor genau diesem Szenario gewarnt haben. Natürlich kann man jetzt aufzählen, was die Betreibergesellschaft alles falsch gemacht hat. Aber Fehler passieren immer. Man kann auch kritisieren, dass die Anlagen nicht für stärkere Erdbeben ausgelegt waren. Aber man kann keine Anlage für ein unendlich starkes Beben auslegen - irgendwo muss man immer eine Grenze setzen, und deswegen gibt es auch keine absolute Sicherheit.

Jetzt wird ständig gefragt, ob das alles auch in Deutschland passieren kann? Natürlich wird es hier keinen Tsunami geben. Und mit wirklich fast absoluter Sicherheit wird es bei uns kein Erdbeben der Stärke neun geben. Anders gesagt: Wir leben hier auf einem ungleich besseren Sicherheitsniveau als die Japaner, weil wir keine Kernkraftwerke in Gebieten mit der Gefahr schwerer Erdbeben gebaut haben. Aber heißt das, dass bei uns auf keinen Fall eine Katastrophe passieren kann? Natürlich nicht, sie ist nur sehr viel unwahrscheinlicher als in Japan.

Seite 1:

Auf einmal sind alle gegen Kernkraft

Seite 2:

Kommentare zu " Kommentar: Auf einmal sind alle gegen Kernkraft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • T.4 "Die Technologie muß weiterentwickelt werden, damit wir durch neue Reaktortypen (z. b. Schneller Brüter) weiterhin günstigen Strom produzieren und die Sicherheit erhöhen. "

    Gescheitert, Milliarden reingesteckt ohne Ergebnis. Kernfusion: nicht realsierbar, unbezahlbar.

    "...mehrere Endlager..." Wollen Sie da wohnen?

    "Wir dürfen nicht vergessen eine Technik muß Wirtschaftlich sein und kann nicht ständig subventioniert werden."

    Die Atomindustrie ist alleine in DE mit mehr als 100 Mrd. Euro subventioniert worden und wird weiter subventioniert.

    "Warum gibt es den keine Windmühlen mehr?"

    ????
    Werden jeden Tag neu zugebaut. Es ist die Rennaissance der Windmühlen, demnächst offshore.

    "Es ist immer noch nicht WIRTSCHAFTLICH! (4-fach so Teuer)"

    Die Förderung ist schon gekürzt worden und wird immer geringer. Der Strom wird auf absehbarer Ziet günstiger sein als Atom-/kohle, ohne Endlagerkosten und Srahlengefahr. Die Asse koste Milliarden, zahlt der Steuerzahler, während die Atomkonzeren die Gewinne einstecken und an der Börse spekulieren gehen mit unserem Geld.


    "Die Atomtechnologie ist deutlich „Jünger“ 1942 wurde der erste Reaktor gebaut und es ist seit 1950 WIRTSCHAFTLICH!"

    Nur ein EINZIGER Gau im dicht besiedelten DE (und Umgebung) und das war`s mit wirtschaftlich:
    kostet Billionen. Versichert sind 2, 5 Mrd. Schaden, für ALLE AKW`s!! Noch Fragen?

    Machen sie mal eine Rechnung: wenn die Bewirtschaftung eines Atomendlagers 10 Mio. pro Jahr kostet und es mind. 20.000 Jahre dauert, bis die Strahlung "ungefährlich" ist, wieviel kostet das insgesamt. Und wer bezahlt das wohl?

    Soviel zur Wirtschaftlichkeit.

  • Machen sie mal eine Rechnung: wenn die Bewirtschaftung eines Atomendlagers 10 Mio. pro Jahr kostet und es mind. 20.000 Jahre dauert, bis die Strahlung "ungefährlich" ist, wieviel kostet das insgesamt. Und wer bezahlt das wohl?

    Soviel zur Wirtschaftlichkeit
    "Die Vorteile liegen aber auf der Hand, mit dieser Technologie können wir preiswert Strom produzieren und der Strompreis ist ein Standortfaktor!"

    Das ist falsch: zeigen Sie mir die so angeblich günstigen Strompreise derjenigen Stromlieferanten, die über 80% "fossilen Strom" anbieten oder fast nur Atomstrom. Die Differenz bei den Gestehungskosten, die gar nicht mehr so groß sind, wird NICHT an den Kunden weitergegeben. Energieunternehmen, die Atomstrom aus abgeschrieben AKW´s anbieten, zocken die Verbraucher ab. Punkt!


    "Wir haben schon ein Aluminiumwerk verloren (Verlagert nach Island).. ."

    Nicht wegen den Stompreisen.

    ".. und wenn man sich vor Augen führt wie viel Energie eine „Thomas-Birne“ (Stahlherstellung) verbraucht, kann man sich vorstellen das ein zu hoher Energiepreis weiter zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen führt."

    Energieintensive Produktionen bekommen Sonderkonditionen beim Strom, warum erzählen Sie nichts davon?

  • teil2
    "Warum gibt es den keine Windmühlen mehr?"

    ????
    Werden jeden Tag neu zugebaut. Es ist die Rennaissance der Windmühlen, demnächst offshore.



    "Es ist immer noch nicht WIRTSCHAFTLICH! (4-fach so Teuer)"

    Die Förderung ist schon gekürzt worden und wird immer geringer. Der Strom wird auf absehbarer Ziet günstiger sein als Atom-/kohle, ohne Endlagerkosten und Srahlengefahr. Die Asse koste Milliarden, zahlt der Steuerzahler, während die Atomkonzeren die Gewinne einstecken und an der Börse spekulieren gehen mit unserem Geld.


    "... und es ist seit 1950 WIRTSCHAFTLICH!"

    Nur ein EINZIGER Gau im dicht besiedelten DE (und Umgebung) und das war`s mit wirtschaftlich:
    kostet Billionen. Versichert sind 2, 5 Mrd. Schaden, für ALLE AKW`s!! Noch Fragen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%