Kommentar: Die FDP macht sich überflüssig

Kommentar
Die FDP macht sich überflüssig

Jetzt hat es die gebeutelte FDP plötzlich sehr eilig. Alle alten AKW sollen endgültig vom Netz gehen. Doch das liberale Manöver ist durchsichtig und wirkt wie eine Verzweiflungstat.
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Düsseldorf Nach den verheerenden Wahlpleiten in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ist die Panik in Reihen der FDP groß. Noch größer ist allenfalls die Verwirrung über die chaotische Politik der Liberalen. Generalsekretär Christian Lindner fordert jetzt die endgültige Stilllegung der acht derzeit abgeschalteten deutschen Atomkraftwerke - ignoriert dabei aber, dass Union und FDP eigentlich erst die Ergebnisse der technischen Untersuchungskommission und des Ethik-Rates zur Atomenergie abwarten wollten.

An koalitionsinterne Absprachen hält sich die FDP aber nicht mehr, denn die Partei verliert massiv Wähler und steuert der politischen Bedeutungslosigkeit entgegen. Also verfällt die Parteiführung in hektischen Aktionismus. Natürlich ist das Wählerpotenzial bei den Gegnern der Atomkraft derzeit größer denn je. Es mag verführerisch sein, dort einige Wähler abwerben zu wollen. Das Problem ist aber: Diese Kehrtwende nimmt den Liberalen niemand ab. Sie wirkt wie eine Verzweiflungstat. Noch schlimmer: Die neue Atompolitik ist eine billige Kopie. Was die Grünen seit 30 Jahren vorleben, schreibt sich nun auch die FDP auf ihre Fahnen. Doch wer grüne Politik haben will, der wählt das Original.

Es mag nicht mehr allzu viele treue Stammwähler der FDP geben. Einige sind noch da. Wenn aber selbst diese nicht mehr einordnen können, für welche Politik die Liberalen eigentlich noch stehen, werden auch sie sich abwenden. So macht sich die FDP erst unglaubwürdig und schließlich überflüssig.

Gero Brandenburg
Gero Brandenburg
Handelsblatt Online / Redakteur

Kommentare zu " Kommentar: Die FDP macht sich überflüssig"

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  • Der arme Kerl hat seine eigene Partei nicht verstanden. Vielleicht glaubt der ja wirklich, es handele sich um eine richtige Partei, und nicht um einen Lobbyistenverein.

  • Die FDP mutierte schon vor Jahren zur reinen Sprechblasen-Partei, die ihre Wählerschaft mit einfältigen neoliberale Parolen bediente. Dass ich mich vor Jahrzehnten bei einer Landtagswahl für sie entschieden habe, wird mir hoffentlich als lässliche Jugendsünde nachgesehen. Schließlich verfügte sie derzeit über eine gewisse Substanz - auch sie ihr zentrales Wahlversprechen bereits damals nicht einlöste. Einer FDP mit bürgerlich-liberalen und/oder ordoliberale Werten würde ich auch heute gerne einen Platz im Parteienspektrum zugestehen, selbst wenn ich in vielen Punkten anderer Überzeugung bin. Doch so frei von echten Inhalten, wie sie sich heute präsentiert, hat sie keinerlei Existenzberechtigung.

  • Dafür, Bremse, dagegen...
    Geht's noch panischer? Die FDP schafft sich ab! Wer dies Chaos-Truppe nochmal wählt hat wirklich nicht's kapiert! Dies gelben Kasperle gehören ins Hotel geschickt - Übernachtung mit Frühstück X € plus 50% Mehrwertsteuer!

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