Kommentar
Die Kanzlerin fährt mit der CDU Karussell

Angela Merkel wirft in einem Tempo traditionelle CDU-Positionen über Bord, dass den Konservativen schwindlig wird. Jetzt ist die Ablehnung des Mindestlohns dran. Doch das Manöver könnte sich als Wahlkampf-Trick erweisen.
  • 6

Das Tempo, in dem sich die Christlich Demokratische Union derzeit Zeit runderneuert, dürfte den ein oder anderen Anhänger schwindelig machen. In Karussell-Geschwindigkeit wirft die Parteivorsitzende Ballast über Bord, der jahrzehntelang zur Sicherung der Grundfesten diente: Von der früher verfemten Kinderbetreuung über die Hauptschule, von der Wehrpflicht bis zur Atomkraft vertritt die CDU mittlerweile das Gegenteil dessen, was noch vor kurzem gegolten hatte. Und wo sie beim Räumen angestaubter Positionen so richtig in Fahrt gekommen ist, legt sich Angela Merkel nun auch beim Thema Mindestlohn in die Kurve.

Es gibt kein Beispiel in der deutschen Geschichte, dass eine Partei sich in so kurzer Frist so grundlegend neu aufstellt. Merkel macht nun Ernst mit der Modernisierung, die ihr zu Beginn nicht gelingen wollte. Die Botschaft – zwei Jahre vor der Bundestagswahl – ist klar: Seht her, alles was die Opposition aus SPD, Grünen und Linkspartei so fordert, kriegt ihr bei uns auch.

Fehlt eigentlich nur noch, dass sie endlich das Ehegattensplitting abwirft und bei der Frauenquote auf Gesetzeskraft setzt. Das würde passen, stehen doch vor allem Christdemokratinnen für die Neuaufstellung: Neben Merkel selbst vor allem Ursula von der Leyen und Annette Schavan –  aber auch die neue  Ministerpräsidentin des Saarlandes, Annegret Kramp-Karrenbauer.

Seite 1:

Die Kanzlerin fährt mit der CDU Karussell

Seite 2:

Merkels Wahlkampf-Trick

Kommentare zu " Kommentar: Die Kanzlerin fährt mit der CDU Karussell"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Denn einen gesetzlichen Mindestlohn will die CDU nach wie vor nicht – auch wenn nun die halbe Republik genau dies denkt."
    Volksverdummung ist die größte Fähigkeit von Merkel!
    Ein Volk das darauf hereinfällt hat aber auch nichts besseres als "Merkel-Murks" verdient.
    Neue Gesetze schreiben Ihnen sowieso die Lobbyisten der Gierigen und Gewissenlosen.

  • Wenn man weiß, dass Zurzeit mindestens 9,36 Euro brutto pro Stunde nötig wären, um im Alter nicht auf Grundsicherung sprich Sozialhilfe angewiesen zu sein, und dass auch nur wenn man mindestens 45 Jahre Beiträge gezahlt hat, dann kann man doch erkennen wie verlogen und unseriös die Debatte wieder einmal in Deutschland geführt wird.

  • Kanzlerin Merkel ist einfach nur intelligent.
    Sie hat erkannt, dass die Deutschen, wie auch Franzosen und Italiener, in der Mehrheit national-sozialistisch gesinnt sind: Starker Staat, keiner soll sich zu viel erlauben können und zu viel verdienen, faulenzen soll aber auch keiner, das muss sanktioniert werden, und am wohlsten fühlen sich die Kern-Europäer unter sich. Wenn diese Grundbedürfnisse des Volkes befriedigt werden, wird man auch wiedergewählt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%