Kommentar
Dies ist die Krise der Politik

Das Vertrauen der Bürger in das politische System ist erschüttert. Sie erleben ihre Repräsentanten als Getriebene. Jetzt braucht es mutige Politiker, die auf die verunsicherten Menschen zugehen.
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„Das Auseinanderfallen, also die Ungewissheit, ist dieser Zeit eigen; nichts steht auf festen Füssen und hartem Glauben an sich; man lebt für morgen, denn das Übermorgen ist zweifelhaft. Es ist alles glatt und gefährlich auf unserer Bahn, und dabei ist das Eis, das uns noch trägt, so dünn geworden; wir fühlen alle den warmen, unheimlichen Atem des Tauwindes - wo wir noch gehen, da wird bald niemand mehr gehen können.“

Dieses Zitat von Friedrich Nietzsche hat in Umbruchzeiten immer Konjunktur. Jede Sicherheit kann zerbrechen. Das ist die wichtigste Erkenntnis, die wir seit Lehman Brothers gewinnen konnten. „Das Vertrauen in unser System bröckelt“, schreibt der „Stern“. „Die Regierungen machen die Menschen irre“, so Jean-Claude Juncker. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“, titelt das Handelsblatt über Merkozy. Der „Spiegel“ lässt auf seinem Titelbild den Euro brennen.

Es kommt auf Geschwindigkeit an, so dass es zu Entscheidungen keine Alternativen gibt. Aber: „Viel Zeit können wir uns nicht mehr kaufen“, so Jens Weidmann. Die Summen, um die es geht, entziehen sich der Vorstellungskraft fast aller Bürger. Die Gegenwart verschwindet in diesen Zeiten so schnell, dass wir nicht einmal Lehren für künftige Krisen aus ihr ziehen können. Kurz, es verstärkt sich das Gefühl in der Bevölkerung, undurchsichtigen Entscheidungsprozessen ausgesetzt zu sein, die sie zu Verlierern machen.

71 Prozent der Bürger bezweifeln inzwischen, dass die Politik mit ihrer rastlosen Ratlosigkeit in der Lage ist, unsere wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Schlimmer noch: 44 Prozent der Bürger sind in Deutschland mit der Demokratie unzufrieden. Nur sechs Prozent der Wähler glauben noch, dass sie die Regierungspolitik durch Wahlen beeinflussen können.

Wir erleben eine Krise der Repräsentation. In einer wirtschaftlichen Krisensituation erleben wir eine Krise der Politik.

Der Euro macht uns Angst. Aber: Es gibt keine Alternative. Angeblich zerfällt Europa ohne Euro und ohne deutsches Geld. Noch mehr Europa soll es sein, mit noch mehr deutschem Geld. In den Augen der Öffentlichkeit scheint die Klammer, die Europa zusammenhält, Deutschlands Geld zu sein. Wir müssen für die Folgen verantwortungslosen Handelns anderer Staaten eintreten. Darauf verlässt sich Europa.

Kommentare zu " Kommentar: Dies ist die Krise der Politik"

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  • Virus Narzissmus: Tja diese " ach so tollen Redner-Persönlichkeiten" in Politik, Finanzwelt, Medien, die wir zuerst bewundern und die uns dann nur ausnutzen und belügen, sind unbelehrbar - nachzulesen bei www.wikipedia.de unter " NARZISSMUS " . Und Vorsicht : Narzissmus ist ansteckend !

  • Unsere derzeitigen Politiker und zwar quer durch alle Parteien, sind absolut unfähig, berufsfremd, teilweise Langzeitstudierer (20 Semester sind die Regel bei einigen), viele Ostkader, die nie überprüft wurden, eine stramme FDJ-Karrierefrau als Kanzlerin.
    Es herrscht Ideologie gepaart mit Fanatismus.
    Die Grünen sind da ganz schlimm udn auch Teile der SPD.
    Die CDU ist allenfalls noch eine sozialistischen Blockpartei aber keine CDU mehr.
    Hinzu kommt bei vielen Politikern sogar Deutschfeindlichkeit. Hier sind auch die Grünen Vorreiter. Und auch der neue Bundespräsident, für den es gar kein deutsches Volk mehr gibt, der schwafelt nur ständig von einer bunten Republik
    Solche Politiker braucht wahrlich kein Mensch.
    Diese derzeitigen Möchtegerns werden uns in den absoluten Ruin treien.
    Schröder beschimpfte die Arbeitslosen mal als Schmarotzer, was schon frech und dreist genug war für jeden wirklich Arbeitslosen.
    Aber Schröder hat sich vertan. Die wahren Schmarotzer sind die Politiker, die sich für ihren Murks und ihren Hass aufs eingene Land auch noch von uns bezahlen lassen udn mit Riesenpensionen in Rente gehen, die auch wir zahlen, bis sich der Sargdeckel endlich schließt
    Wir gehen mit Riesenschritten in Weimarer Verhältnisse.
    Und von der SPD kann man nur noch sagen, der alte Satz von einst, wird wieder, nun zum 2. Mal Wirklicheit "wer hat uns verraten? - Sozialdemokraten"
    Sie SPD wurde von Schröder zerlegt, hat ihre Wurzeln noch nicht wieder gefunden, sodnern driftet in den Sozialismus.
    Auf Biegen und Brechen soll von einigen antidemokratischen Politikern der sozialistische Staat Europa gegründet werden, diktatorisch regeirt von Brüssel
    Auch angetrieben von dem kleinen gestutzten Bonsai aus Paris, dem ehemaligen Maoisten Barroso und dem Antidemokraten Juncker
    Schon jetzt ist Brüssel doch nur noch ein einziger großer Dreckhaufen
    Und da das deutschen Volk keine Lobby hat, können sie ja auch machen was sie wollen

  • Anonymer Benutzer: sterbende_demokratie

    Ich möchte noch hinzufügen, das unter Wirken von Herrn Herrhausen, dessen Name Ihre Gesellschaft trägt diese mafiös entfesselten Zustände der Finanzunternehmen sicherlich niemals eingetreten währen.
    Dieser Man glänzte mit bis heute ungeschlagenem Fachwissen, nötiger Moral und dem geboten Weitblick.

    Darum musste er auch sterben!

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