Kommentar

Ein letzter Dienst für die FDP

Was er macht, er macht es falsch. Als Innenpolitiker ist er gescheitert, Außenpolitiker war er nie. Statt sich weiter zu verbiegen sollte Guido Westerwelle abtreten. Damit würde er sich, der FDP und dem Land helfen.
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Außenminister Guido Westerwelle bei einem Besuch in Haiti. Quelle: dapd

Außenminister Guido Westerwelle bei einem Besuch in Haiti.

(Foto: dapd)

DüsseldorfWie tief kann der Bundesminister des Äußeren noch sinken? Im Außenministerium in Berlin haben sich Deutschlands Top-Diplomaten versammelt, Frankreichs Außenminister Alain Juppé ist als Ehrengast zur Botschafterkonferenz angereist - und Guido Westerwelle übt ein weiteres Mal den peinlichen Kotau. Frankreich und die anderen Verbündeten verdienten Respekt für den Sturz des Libyschen Diktators Gaddafi, auch wenn Deutschland "die Chancen und Risiken anders abgewogen" habe.

Hätte sich Westerwelle von den Tatsachen belehren lassen - kein Problem. Aber es war nicht die Vernunft, sondern die Parteiführung der FDP, die ihren einstigen Vorsitzenden, einstigen Vizekanzler und dauerhafte Quelle für Spott, zur Vernunft bringen musste: es waren nicht die von Westerwelle propagierten Sanktionen, sondern die Bomben der Franzosen und Amerikaner, die den Machtkampf in Libyen entschieden. Der einst so großspurige Mister-18-Prozent folgte brav, vollzog die Kehrtwende, rettete vorerst sein Amt und beschädigte Deutschlands Ansehen im Ausland weiter.

Deutschland hat seinen Kompass verloren, Altkanzler Helmut Kohl legte seinen Finger zielsicher in eine sehr tiefe Wunde. Schon klar: zuerst dafür verantwortlich ist die Kanzlerin. Aber niemand richtet seine innere Nadel stärker an der politischen Opportunität aus, als Westerwelle.

Schon als Vizekanzler war er an der grundsätzlichen Ausrichtung Deutschlands in der Welt nur am Rande beteiligt, aber als Nur-noch-Außenminister ist er ein völliger Ausfall. Oder erinnern Sie sich an eine außenpolitische Entscheidung, eine wichtige Initiative, die von Westerwelle ausging?

Zum wichtigsten Thema der vergangenen zwei Jahre, der Finanz- und Eurokrise, hat er nichts zu sagen. Es stimmt schon, hier ist die Kanzlerin für Deutschlands Richtungslosigkeit verantwortlich. Aber längst hat die Eurokrise eine ganz grundsätzliche Debatte über Europas Zukunft ausgelöst. Westerwelles Beitrag dazu? Nicht erkennbar.

Ein kompetenter Nachfolger steht bereit
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17 Kommentare zu "Kommentar: Ein letzter Dienst für die FDP"

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  • Wer damals die FDP gewählt hat und damit unterstützt hat das die FDP auf 14% hochkatapultiert wurde sieht jetzt einen Scherbenhaufen vor sich. Wenn Westerwelle geht und auch noch Rösler folgen wird, dann ist die komplette FDP Ministeriege seit dem grandiosen Wahlsieg bzw. Koalitionsstart ausgetauscht. Das mit den 14% war nur ein Strohfeuer und viele wussten es doch bereits am Wahlabend, nur die FDP Wähler damals nicht bzw. wollten es nicht sehen das die FDP Politikerriege keine fähigen Minster hat. mMerkel musste in den sauren Apfel beissen da es ohne die FDP nicht gegangen wäre da sie ja mit der SPD nicht mehr wollte. Wäre sie nur mal bei der SPD als Koalitionspartner geblieben. Jetzt haben sie das ansehen von Deutschland Innen- und Aussenpolitiosch völlig ramponiert. Da hilft auch kein erneutes Stühlerücken innerhalb der Koalition und besetzten des Aussenministerpostens mt einem neuen FDP Politiker. Die FDP ist am ende und sollte freiwillig auf das Amt des Aussenministers verzichten.

  • Gottsei Dank, bin ich nicht alleine :))

  • Gemeint ist Frau Merkel! Ohne Mutti's Genehmigung darf sich Westerwelle nicht mal die Schuhe zubinden.

  • Der der total überforderte und unfähige Außenminister der Bundesrepublik Deutschland darf Dank der Gnade eines gewissen Herrn Rösler und eines gewissen Herrn Lindner- die mit ihrer Interessengemeinschaft mal gerade
    ca. 3% der Bevölkerung repräsentieren- nach seiner unglaubwürdigen Abbitte auch weiterhin Außenminister bleiben und darf ungestraft weiter
    das Ansehen Deutschlands massiv beschädigen.

    Liebe Frau Merkel, auch sie werden jetzt mehr und mehr spürbar durch ihren Koalitionspartner massiv beschädigt!

    "Und Frau Merkel blicket stumm
    auf dem ganzen (Kabinetts-) Tisch herum!" *
    *frei nach Zappelphilipp

  • Fischer ist eine Marke für sich und nur noch sehr bedingt "grün". Claudia Roth hat die Nichtteilnahme der Bundeswehr spontan begrüßt und Frau Merkel gelobt, sie wurde dann sehr schnell stiller. Östemir als "Transatlantiker" wird ihr die Leviten gelesen haben. Die grüne Partei ist in Sachen Lybienintervention die reinste Lachnummer, nur erfährt es niemand.

  • Was soll ein Neoliberaler auch zur Finanzkrise sagen ohne sich selbst zu verraten oder ausgelacht zu werden?

  • Also ich hätte lieber ein AKW, als eine A-Bombe.

    Kleiner Tip an die Grünen! Ach nein, die habens ja 7 Jahre verpennt

  • Sorry,

    Ströbele klagt gegen den Einsatz der 11 vor dem BVG.

  • Ich gebe zu, ich tue mir die Bild als Vergleichsobjekt an. Während aus meiner Sicht die Seriösität der Bild im politischen Bereich zugelegt hat, hat die Seriösität des HB einen schlechteren Wert, als die Umfragewerte der FDP.

    Liebes HB,schreibt doch einfach mal in klaren Worten: Ihr findet Westerwelle scheiße.

    Dass Fischer kritisiert, dass sich die Bundeswehr nocht am Lybieneinsatz beteiligt, schreibt Ihr. Dass Ströbele gegen den Einsatz von 11 Bundeswehrsoldaten im Support, während der Lybienkrise, aktiv waren/sind, schreibt Ihr auch.
    Bringt doch mal die Schizzophrenie und die Bigotterie der Grünen in einem Artikel. Am besten mit großem Bild wie die beiden auf der Toilette sitzen, denn solche Bilder werden von Frau Merkel auch immer verwendet, wenn etas nicht rund läuft.

  • Die Amerikaner mögen Westerwelle nicht, schließlich hat er die Lagerung amerikanischer Atomwaffen in Deutschland in Frage gestellt. So etwas hört man in Washington nur ungern.

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