Kommentar
Herrmanns Blackout

Bayerns Innenminister Herrmann hat bei seiner Äußerung über den „wunderbaren Neger“ nicht nachgedacht. Damit hat er eine Mindestvoraussetzung für Politiker nicht erfüllt, meint Rüdiger Scheidges.
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Joachim Herrmann, der bayerische Innenminister von der CSU, gehört zu der Generation Deutscher, die in ihrer Kindheit „Negerküsse“ oder „Mohrenköpfe“ gegessen hat, das grauenhaft morbide-rassistische „Zehn Kleine Negerlein“ gesungen und gespielt und eben jenen schwarzen Onkel Tom mit dem grotesken Namen „Roberto Blanco“ angehimmelt hat.

Zu guter Letzt: Das ist die Generation, die nichts dabei fand, dass Pippi Langstrumpfs Vater als „Negerkönig“ bezeichnet und Jim Knopf aus der Augsburger Puppenkiste „Negerbaby“ genannt wurde.

Aus Joachim Herrmann spricht also nicht nur ein vielleicht gar nicht so untypischer bayerischer Schwarzer, also ein CSUler. Aus ihm tönt auch jener sprachliche Rassismus, der in Deutschland absolut salonfähig war und auch heute noch nur mit großen Mühen aus den zahlreichen Volksliederbüchern zu tilgen ist. Die „Zehn Kleinen Negerlein“ sind im „Volksliederarchiv“ noch immer verewigt. In dem Kinderlied heißt es beispielsweise:

„Neun kleine Negerlein,
Die gingen auf die Jagd,
Das eine wurde totgeschossen,
Da waren's nur noch acht.“

Wie nachhaltig solches „Liedgut“ und solche, gutgläubig ausgedrückt, unbesonnenen Rassismen, die die Leute von Kindesbeinen an aufgesogen haben, sich in das Gemüt der Menschen schleichen, sieht man eben an Innenminister Herrmann, der solchen Rassismus völlig unbedacht vor laufenden Kameras äußert. Viele würden dies wohl ohne großes Nachdenken, ohne großes Stutzen tun.

Doch wenn es eine Mindestvoraussetzung für den freien Beruf des Politikers in Deutschland geben sollte, so heißt sie: Denken können! Herrmann hat nicht (nach)gedacht. Er hat spontan, direkt, unreflektiert vom „wunderbaren Neger“ geschwelgt. Man sollte darüber diskutieren, was fürchterlicher ist: der sprachliche Rassismus des Politikers oder der allgemeine Rassismus, der da aus seinem Mund tönt.

Kommentare zu " Kommentar: Herrmanns Blackout"

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  • Ein bisschen Spaß muss sein
    und Scheidges fällt drauf rein.

    Natürlich hat Herrmann keinen blackout gehabt - "wunderbarer Neger"..

  • Herr Ungläubig
    Rassismus?
    Nein, die Bayern und auch die Sachsen haben noch Patriotisus.
    Abe für solche Leute wie Sie ist das ja schon Nazi
    Mein Gott, was ist bloß in Deutschland los?
    Merkt ihr gar nicht mehr, dass dall das ins totale Chaos führn wird?

  • Könnte man nicht sogar sagen, der Autor, Herr Scheidges, diskriminiert die Sprache – und in der Quintessenz Leute, die Sprache sorgfältiger verarbeiten?

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