Kommentar: Koalitionen
Trauminsel

Jamaika war bekanntlich ein Traum. Inzwischen liegt die Bundestagswahl ein Dreivierteljahr zurück. Die Welt hat einen Eindruck davon erhalten, was die große Koalition zu leisten im Stande ist. Und in diesen Tagen kehrt der Traum zurück.

Erinnert sich noch jemand an Jamaika? Im Herbst 2006, in den Tagen nach der Bundestagswahl, war die Trauminsel mit den Landesfarben Schwarz-Grün-Gelb den schiffbrüchigen Wahlkämpfern von der CDU als flimmernde Fata Morgana am Horizont erschienen. Ein paar Tage lang sah es so aus, als müsse die Tatsache, dass keine der Volksparteien über 35 Prozent hinauskam, vielleicht doch nicht zwangsläufig in einer großen Koalition münden.

Jamaika war bekanntlich ein Traum. Inzwischen liegt die Bundestagswahl ein Dreivierteljahr zurück. Die Welt hat einen Eindruck davon erhalten, was die große Koalition zu leisten im Stande ist. Und in diesen Tagen kehrt der Traum zurück.

Im Augenblick sind es vornehmlich Liberale und Grüne, die die schwarz-gelb-grüne Fahne schwenken. Die Union hält sich zurück. Das ist leicht erklärt: Der eine oder andere mag zwar den Reiz, die SPD in diesem Sommer des gesundheitspolitischen Missvergnügens mit einem gezielten „Wir können auch anders“ ein wenig unter Stress zu setzen, sehr lebhaft empfinden. Aber mit einer gestressten SPD regiert es sich nicht unbedingt besser. Und mit dieser wird Angela Merkel bis 2009 wohl noch regieren müssen – da mag ihre Partei insgeheim noch so sehnsüchtig von Alternativpartnern träumen.

Doch das ist Taktik, und Taktik und Strategie sind zweierlei. In der Union hängt inzwischen kaum mehr jemand dem vordemokratischen Glauben an, es müssten sich nur alle Vernünftigen an einen großen Tisch setzen, dann werde alles gut. Die Partei weiß sehr gut, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, diese große Koalition zum eigenen und allgemeinen Wohl 2009 enden zu lassen: Entweder die Union findet ein Wundermittel gegen den allgemeinen Trend der Erosion der Volksparteien und gewinnt ihre alte Fähigkeit zurück, dauerhaft deutlich mehr als 40 Prozent der Wählerschaft zu bündeln. Wer weiß, wie das geht, möge sich bitte im Konrad-Adenauer-Haus melden. Die zweite Möglichkeit: Sie segelt nach Jamaika.

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