Kommentar Nehmerqualitäten

Christian Wulff will bleiben. Doch sein heutiger Auftritt hat gezeigt: Das Amt braucht einen anderen Präsidenten.
24 Kommentare
Oliver Stock

Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

Dieser Mann hat Nehmerqualitäten. Obwohl Christian Wulff einen Fehler nach dem anderen gemacht hat, obwohl ihm der Wind der veröffentlichten Meinung ins Gesicht bläst wie nie zuvor und obwohl selbst die Kanzlerin eine Erklärung vom Bundespräsidenten forderte und damit ein unausgesprochenes „sonst“ wie eine Drohung nachschwingen lässt, will Wulff im Amt bleiben.

Er kämpft um seine nächste Chance mit fast schon abenteuerlicher Logik, wenn er im Interview erklärt, dass sein Verhalten gegenüber der Bild-Zeitung „nicht vereinbar mit seinem eigenen Amtsverständnis“ gewesen sei. Nur leise klingt sein Widerspruch, wenn er seine Reisen zu Freunden aus der Industrie, die ihn freigehalten haben, verteidigt. Laut dagegen schlägt er sich auf die Brust und beklagt die eigenen Fehler.

Wenn er nun bleiben will, verhält er sich nach dem Motto all jener Politiker von Guttenberg bis Westerwelle, die denken: „Wenn sich meine Politik von gestern nicht bewährt, dann mache ich eben morgen eine andere.“ Wulff erweist sich damit als ähnlich wachsweich wie jener Klebstoff, der ihn offenbar an seinen Amtsessel bindet. Er tut sich und uns damit keinen Gefallen. Sich nicht, weil er kein glücklicher Präsident mehr werden kann. Welche Worte will er noch finden, die nicht vor dem Hintergrund dessen, was in dieser Affäre alles geschehen ist, hohl klingen? Wo will er in Deutschland noch auftreten, ohne dass sich nicht jeder Zuschauer an diese Tage um den Jahreswechsel erinnert?

Und uns nicht, weil wir einen Bundespräsidenten wollen, der den Kompass mit sich trägt. Dessen Haltung von innerer Überzeugung geprägt ist und nicht nur vom Wunsch in einem Amt zu bleiben, das er selbst schwer beschädigt hat. Dieser Präsident hat bisher wenig zu sagen gehabt. Künftig müssen wir uns überlegen, ob wir ihm überhaupt noch zuhören wollen.

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24 Kommentare zu "Kommentar: Nehmerqualitäten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wo ist in dieser Community "Äpfel und Birnen"?
    Wo ist in dieser Community ein Finanzexperte?
    .
    Dass Merkel und Wulff vor WQeihanchten entschieden haben die Problematik auszusitzen ist mehr als eine Frechheit. Da der Politikbetrieb bis zum 10.1 circa 13 Uhr MEZ während der Ruhepause nicht beendet ist womöglich die Sternsinger das gesamte politische Sytem generell schwächen würden unklar ist, ob und wie die Bundeskanzlerin sich stellen wird , hat die Community folgende vorbereitende Möglichkeite
    - Wo ist Herr Bosbach?
    - Kann die Community bewirken,das der Artikel 146GG beschrieben wird?

    Ade

  • Vielen Dank, Herr Stock. Großartige moralische Maßstäbe. Bitte legen Sie diese Maßstäbe nun an sich selbst an:
    - legen Sie sämtliche Mitgliedschaften in politischen Parteien und Verbänden offen
    - legen Sie offen, ob Sie in Anlageprodukten investiert sind, über die Sie berichten
    - bzw. bei denen Sie durch Informationsvorsprünge aus redaktioneller Arbeit profitieren
    - legen Sie offen, welche Vergünstigungen dank Presse-Ausweis und Mitarbeit beim Handelsblatt Sie privat genutzt haben und nutzen
    - legen Sie offen, wer, wenn nicht Sie selbst und nicht die Redaktion Ihre letzten zwanzig Reisen bezahlt haben:
    los, zeigen Sie das alles auf, wie es sich gehört...
    Das Finanzamt wird sich im Zweifel auch dafür interessieren.
    Es wird höchste Zeit, dass diese Fragen endlich gestellt werden.

  • Ein guter Kommentar den man Satz für Satz unterschreiben kann!
    Überhaupt - Olivier Stocks Beiträge sind zu loben: Inhaltlich und stilistisch. Gerne weiter so !

  • Auch wenn Gauck der bessere Präsident gewesen wäre, Wulff wurde nunmal gewählt und für einen Rücktritt sehe ich keine wirklich gute Gründe.

    Suboptimale Amtsführung ist letztlich kein Rücktrittsgrund. Und kriminell war Wulff auch nicht. Zumindest ist sowas bislang nicht bewiesen. Wieso also diese Schlammschlacht?

    Und muss ein Präsident wirklich vom Volk geliebt werden? Geht das nicht echt etwas zu weit?

  • Diese Welt braucht eine anderes System. Wenn der Euro die Wupper runtergeht, geht der $ mit.

  • @didi

    Absolute Zustimmung.

    Wie das halt so ist in einem Prozess, der sich Geschichte nennt: Während alle noch an der gegenwart schaufeln, guckt keiner nach vorne, jeder denkt, daß der Schaden, den er anrichtet, nicht weiter schlimm ist.

    Eigentlich brauchen die Redakteure des HB doch nur in die eigenen Leserbriefspalten zu gucken - wenn sie da nicht bemerken, daß die selbe Verachtung die "DEN" Politikern entgegenschlägt auch längst auf die Betrachtung der Presse durch ihr Publikum abfärbt, ist ihnen einfach nicht zu helfen.

    Wenn "die Politik" desavouiert ist - dann brauchen wir auch keine Presse, die über diese Politik berichtet und am Ende wird jemand kommen und mit der Zustimmung des Publikums die Presse abschaffen.

    Statt diesem Publikum zu vermitteln, wozu diese seltsame Sachen "Demokratie", "Politik" und "Wirtschaft" eigentlich "gut" sein soll, sägen sie fröhlich an dem Ast, auf dem sie sitzen.

    Herr Storck hat die Tage ja mal für einen kurzen Augenblick durchsscheinen lassen, daß er zu einer differenzierenden Meinung gegen den Mainstream fähig ist - und hat prompt hier Dresche bezogen.

    In der Zwischenzeit hat er sich offensichtlich den "Schneid abkaufen" lassen und guckt nun, daß er im Mainstream den Anschluss nicht verliert.

    Das mag das Ergebnis seiner (relativen) Jugend sein, aber ich erinnere mich an ein Handelsblatt, daß sich seiner Verantwortung für die Sache noch bewusst war - aber, das hat man ja heute durch den Shareholder Value ersetzt.

    Ich finde diese ganze Chose nur noch abstossend. Mir sind der BP und die BK und die Partei, zu der sie gehören ziemlich schnurz, aber mir liegt etwas an dem Land in dem ich lebe. Und das gerät gerade komplett unter die Räder eines Herrn Diekmann, der ja nun als letzter in diesem Land einen Anspruch auf Respekt oder gar darauf, die "Wahrheit" zu sagen, verdient.

    Herr Storck scheint auf dem Pavianhügel seine Position erkannt und akkzeptiert zu haben.

  • "Dieser Mann hat Nehmerqualitäten. "

    Sie offensichtlich nicht, Herr Stock.

    Klang Ihr letzter Kommentar noch so, als hätten Sie cojones, muss da im Verlauf der letzten Tage mit zwei Backsteinen hantiert haben.

    Na gut, die Lemminge rennen alle in eine Richtung und Sie scheinen einfach noch nicht alt genug zu sein, sich am Rattenrennen nicht zu beteiligen.

    Sehr schade, die Tage hatte ich ja noch so etwas wie Respekt, jetzt habe ich nur noch Mitleid.

  • Sorry, jeder "normale" Bürger bekommt Magengeschwühre bei einem Verhalten aller Wulff... Die Gier nach Geld , Posten und Macht sollte grade einem Bundespräsidenten Fern liegen... Willkommen in der Republic de la Bannanas... Fau Mekel!!! Armes Deutschland ....JubjubJan

  • Ich finde wir sollten alle Journalisten in Deutschland in den Knast stecken. Dann wäre wenigstens die gleichgeschaltete Presse weg und das schlimmste Problem gelöst.

  • @peer
    Das haben Sie glatt abgeschriebnen.

    Die ursprüngliche Quelle ist
    www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9451&lg=de

    Eine sehr zweifelhafte Quelle mit vermuteter Stasi-Nähe

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