Kommentar
Philipp Rösler - der gelähmte Minister

Banker warnen, Börsianer zittern, Experten spekulieren: Die Eurokrise hat die Wirtschaft im Griff. Doch ausgerechnet Wirtschaftsminister Rösler meldet sich im entscheidenden Moment aus der öffentlichen Diskussion ab.
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DüsseldorfKaum einer hatte gedacht, dass die Dramatik der Euro- und Bankenkrise noch zu steigern ist. Doch der gestrige Tag hat uns eines Besseren belehrt. Die Verunsicherung ist so groß, dass der Deutsche Aktienindex ohne erkennbaren neuen Anlass um mehr als 5 Prozent abstürzt. Und Deutschlands wichtigster Banker, Josef Ackermann, zieht Parallelen zum Herbst 2008, als nach der Pleite von Lehman Brothers das ganze Finanzsystem zu implodieren drohte.

In einer solchen Situation, in der Stimmungen Fakten generieren und in der Gerüchte Milliardenwerte vernichten können, ist politische Führung gefragt. In einer solchen Situation sollte der Bundeswirtschaftsminister mit klaren Ansagen für Beruhigung sorgen und den Ängsten der Bevölkerung und der Investoren die Spitze nehmen. Wenn Ackermann vor „Panik und Herdenverhalten“ an den Märkten warnt, muss die Regierung jede mögliche Bühne nutzen, um ihren Kurs klar zu machen.

Da war es geradezu ein glücklicher Zufall, dass Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler heute auf dem wichtigsten Branchentreff der deutschen Finanzindustrie, der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ als Abschlussredner vorgesehen war. Eine Mischung aus ermutigenden und mahnenden Worten an die Banker wäre zur rechten Zeit gekommen.

Doch der Minister kneift. Kurzfristig hat er abgesagt und seinen Staatssekretär geschickt. Offizielle Begründung: Weitere Beratungen zum europäischen Rettungsschirm EFSF.

Doch klar ist auch: Die innerparteiliche Diskussion in der FDP und die Serie von Wahlniederlagen haben Parteichef Rösler so eingenommen, dass er kaum noch als Wirtschaftsminister Akzente setzen kann. Nabelschau verdrängt die Sachpolitik. Spätestens seit dem Desaster in Mecklenburg-Vorpommern wirken die FDP und ihre Führung wie paralysiert.

Bezeichnend ist, dass Röslers auffälligste Weichenstellung der vergangenen Wochen keine wirtschaftspolitische war, sondern die Kurskorrektur in der Bewertung der Libyen-Politik war. Eine Aussage, mit der er ganz nebenbei einen weiteren FDP-Minister in der Regierung, Außenminister Guido Westerwelle, öffentlich düpierte.

Minister Rösler wirkt wie gelähmt. Nominell zwar Vizekanzler scheinen die wichtigen Dinge jedoch mehr und mehr an ihm vorbeizulaufen. Meist meldet er sich erst zu Wort, wenn Kanzlerin Merkel oder Finanzminister Schäuble bei wichtigen Fragen auf europäischer Ebene Vorentscheidungen ausgehandelt haben. Dann betont er etwa, dass auch er gegen Eurobonds ist. Oder er stellt klar, dass eine europäische Wirtschaftsregierung nicht bedeuten dürfe, dass der deutsche Wirtschaftsminister nichts mehr zu sagen habe.

Traditionell verblasst in Deutschland der Wirtschaftsminister gegenüber dem mächtigen Finanzminister. Doch Rösler hat es geschafft, das Gewicht dieses Amtes noch weiter zu reduzieren. Dabei brauchte Deutschland gerade in diesen dramatischen Zeiten einen Bundeswirtschaftsminister mit Autorität. So müssen dann wohl weiter Top-Banker wie Ackermann die mahnenden Worte zur rechten Zeit finden.

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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  • "Minister Rösler wirkt wie gelähmt." - Aber doch bloß, weil er vor Kraft kaum gehen kann! Kaum hatte Rösler auf einem ihm halbwegs vertrauten Gebiet nichts zustande gebracht, wurde er befördert. Im neuen Ressort muß es ihn doch vor Selbstvertrauen schier zerreißen: Unbelastet von störendem Problembewußtsein kann Rösler gar nicht anders, als sich seines ungeheueren Potentials bewußt zu werden. Wer will es ihm da verdenken, wenn er im Vollbesitz seiner Kraft zu sich spricht: „Verweile doch, du bist so schön!“

  • Was erwartet denn die Wirtschaft von einem Rösler?
    Einem grünen Jungen, der nicht mal weiß wie man das Wort Arbeit schreibt.
    Der seit seinem Abi auf Steuerzahler Kosten lebt.
    Da hat dieser Dummdödel Westerwelle weg geputscht und nun schaut er dumm aus der Wäsche. So was kann man nur tun, wenn man um L#ngen besser ist.
    Die FDP besteht doch nur noch aus dummen Jungs.

  • Also Pardon, liebes Handelsblatt, aber überschätzen Sie da nicht ein wenig die eigene Bedeutung? Man kann über den Bundeswirtschaftsminister dieser oder jener Meinung sein. Aber wenn eine Zeitung die Absage einer eigenen Veranstaltung zum Lackmustest über Minister-Fähigkeiten macht, dann wirkt das schon mehr lächerlich als überheblich. Mal ganz abgesehen davon, dass es guten journalistischen Gepflogenheiten zuwiderläuft.

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