Kommentar
Wem Herr Gauweiler künftig fehlt

Peter Gauweiler hört auf – als Abgeordneter im Bundestag ebenso wie als CSU-Parteivize. Mit seinem Rücktritt von seinen Ämtern überlässt Gauweiler den Deutschtümlern der AfD das Feld.
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Peter Gauweiler gibt seine Parteiämter auf, weil er Peter Gauweiler bleiben will. Der standhafte, der Unerschütterliche, der Schwimmer gegen den Strom – so jedenfalls lautet die Interpretation, die er sich wünscht. Die andere könnte lauten: Peter Gauweiler gibt auf wegen nachhaltiger politischer Erfolglosigkeit. Es ist ihm eben niemals gelungen, aus seiner konservativen, rechts-intellektuellen Einstellung politisches Kapital für die CSU zu schlagen. Welche Deutung stimmt?

Richtig ist: Gauweilers politischer Stern sinkt. Welche Zukunft es für ihn nach dem Parteitag der CSU im kommenden November gegeben hätte, ist am bayerischen Firmament nicht klar auszumachen. Die Strategie von Parteichef Horst Seehofer, durch einen Würdenträger Gauweiler nennenswert viele Stimmen von Euro-Kritikern für die CSU einzufangen, ist nicht aufgegangen.

Der Abgeordnete Gauweiler, der im Parlament häufiger durch Abwesenheit glänzte, weil der Anwalt Gauweiler ihn in Beschlag nahm – zählt seither nicht mehr zu den Aktivposten des machtbewussten Ministerpräsidenten. Sein „Nein“ zu den jüngsten Griechenland-Verhandlungen wollte Seehofer daher nicht auf sich sitzen lassen. Gauweilers Karriere war besiegelt.

Richtig ist aber auch: Gauweiler hat aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht.  Als konservativer Politiker und beschlagener Jurist kämpfte er auf der politischen Bühne genauso wie vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe für seine Meinung. Dass er dabei überwiegend den Kürzeren zog, schmälerte seine Macht, aber nicht sein Ansehen.

Sein Rücktritt ist nun der nächste Schritt in diese Richtung: Der Mann steht zu dem, was er denkt, und davon gibt es nicht allzu viele Politiker. Das rechnen wir ihm an. Als Querkopf von rechts sollte er weiter seine Stimme erheben. Es wäre schade, dieses Feld denen zu überlassen, die wie die AfD ständig Gefahr laufen, in nationale Deutschtümelei abzurutschen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Wem Herr Gauweiler künftig fehlt"

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  • fauxpas, der einem Chefredakteur nicht passieren sollte. Das Wort "Deutschtümelei" wird nur allzu gern in antideutschen Kreisen verwendet

  • Unerfreulicher Herr Stock.
    Wenn Ausländer hier in Deutschland ihre Parallelgesellschaften bilden, ist das angeblich Wahrung ihrer kulturellen Identität. Wenn Deutsche ihre Identität im eigenen Land wahren wollen, diffamieren Leute Ihrer Couleur das regelmäßig als "Deutschtümelei". Sehr unseriös.

  • Deutschtümler sind national denkende Gutmenschen, ist doch logisch

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