Kommentar zu Gabriels Wiederwahl
Der Unverstandene

Ein Wahlsieg als schallende Ohrfeige: Sigmar Gabriel ist auf dem SPD-Parteitag als Chef wiedergewählt worden – mit einem Verlust von fast zehn Prozent im Vergleich zur vergangenen Wahl. Die Genossen strafen ihn ab.

BerlinDie SPD versteht ihren Vorsitzenden nicht. Wenn nur 74 Prozent der Parteitagsdelegierten Sigmar Gabriel in seinem Amt als Parteichef bestätigen, ist das ein Alarmsignal. Offensichtlich verfangen seine Botschaften in der Partei nicht. Die Frage ist nun, ob Gabriel sich treu bleiben kann und zu seinen Überzeugungen steht.

Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zeigte Gabriel sich kämpferisch. Er verteidigte entschlossen seinen Kurs der Öffnung der Partei. Er will die alten Schlachten nicht erneut führen, will beispielsweise keine Steuererhöungsdebatte. Er will sich seine Überzeugung nicht nehmen lassen, dass Leistung sich lohnen muss.

Doch offenbar ist die Partei noch nicht reif für diese Erkenntnisse und will alte Fehler wiederholen. Das ist schlecht für die SPD und schlecht für Deutschland.

Wird Gabriel seinen Kurs trotz des Widerstände durchhalten? Gabriel stehen harte Monate ins Haus. Wenn sich die Entfremdung zwischen der SPD und ihrem Vorsitzenden fortsetzt, wird die Frage der Kanzlerkandidatur neu gestellt werden müssen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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