Kommentar zu Gröhes Klinikreform
Vor allem teuer

Die Krankenhausreform von Gesundheitsminister Hermann Gröhe wird den Strukturwandel der Kliniklandschaft zu mehr Effizienz und Qualität nicht bringen – aber dafür mehr Geld kosten als erwartet, meint Peter Thelen.
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BerlinDas Bild könnte widersprüchlicher nicht sein: Auf der einen Seite steht die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die sich gerade auf einen heißen Protestherbst mit Plakataktionen und Besuchen bei den Wahlkreisbüros der Bundestagsabgeordneten vorbereitet, gegen die Pläne von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für die umfassendste Krankenhausreform seit über einem Jahrzehnt. Ihr Vorwurf: Gröhes Gesetz entziehe den Kliniken Finanzmittel statt ihnen zu helfen. Als Folge würden noch mehr Krankenhäuser in die roten Zahlen rutschen und von Insolvenz bedroht sein.

Auf der anderen Seite stehen die Krankenkassen. Ihr Lamento: Die gut gemeinten Instrumente zu einem Umsteuern der 2000 Kliniken in Richtung mehr Qualität und Abbau von Überkapazitäten würden sich als wirkungslos erweisen, solange nicht sichergestellt sei, dass die für die Klinikplanung zuständigen Bundesländer darauf achten, dass die neuen höheren Qualitätsstandards auch eingehalten werden.

Merke: Deutschland hat nicht nur eines der dichtesten Ärztenetze der Welt, es liegt auch der der Zahl der Krankenhausbetten je 10.000 Einwohner mit 83 hinter Japan an zweiter Stelle in der OECD. Und dass die Länder mitmachen, ist bislang nicht sicher, sagt nicht nur der Vorstandschef der Barmer GEK, Deutschlands zweitgrößter Krankasse, Christoph Straub. Seine Finanzexperten haben ausgerechnet: Wenn bei der Reform nicht nachgebessert wird, dann drohen statt der ohnehin schon einkalkulierten Mehrkosten von fünf Milliarden Euro, denen irgendwann auch Einsparungen folgen sollten, acht Milliarden Mehrkosten ohne Aussicht auf Einsparungen in der Zukunft durch ein besser aufgestelltes Krankenhaussystem. Acht Milliarden Euro, dies würde eine Erhöhung der derzeit im Durchschnitt bei 0,9 Prozent liegenden Zusatzbeiträge um mehrere Zehntel-Prozentpunkte bedeuten. Zahlen müssten alleine die Versicherten.

Wer hat Recht? Diese Frage wird sich wohl erst sicher im Nachhinein beantworten lassen. Doch der Anschein spricht für die Krankenkassen. Aus zwei Gründen: Erstens hat es bisher keine Krankenhausreform geschafft, Überkapazitäten dauerhaft abzubauen. Im nächsten Jahr dürften die Kosten für Klinikbehandlung bereits die magische 70-Milliarden-Euro-Schwelle durchstoßen. Das bedeutet ein Kostenplus von 10 Milliarden Euro allein seit 2011. 2008 kamen die Kliniken noch mit 52 Milliarden aus. Damals kostete ein Behandlungsfall im Durchschnitt 740 Euro. Heute sind es fast 1000. Warum sollte es nach Gröhes Reform besser laufen?

Zweitens: Die DKG ist ein Lobbyverband. Als solcher hat sie die Aufgabe, den Bestand aller Kliniken zu sichern, bis zum letzten kleinen Kreiskrankenhaus. Und so argumentiert sie auch. Eine Landesministerin für Gesundheit, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, brachte es auf die Formel: Die DKG hätte am liebsten, dass die kleineren Krankenhäuser, die sich vor allem um die Grund- und Regelversorgung kümmern, alle in Zukunft den in Gröhes Gesetz neu vorgesehenen Sicherstellungszuschlag erhalten und die Hälfte den so genannten Zentrumszuschlag. Dann würde die Reform wahrscheinlich weit mehr als zehn Milliarden Euro teuer.

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  • ...schließlich muss er ja "seine Lobbyisten-Wünsche" einpflegen!

  • ..na immerhin ist er Rechtsanwalt....und das ist ja sehr, sehr wichtig im Bereich Medizin und Gesundheit ;-9

  • Wer hätte das gedacht? Ist das etwa neu, dass die Berliner Pfuscher irgendwas verbessern wollen und das einzige Ergebnis ist, dass es noch teurer und noch komplzierter wird?

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