Kommentar zum Papstbesuch
„Verantwortung vor Gott und den Menschen“

Freiheit braucht die Rückbindung an eine höhere Instanz - daran hat der Papst bei seinem Besuch erinnert. Marie-Luise Dött zeigt sich beeindruckt von der Bundestagsrede des Pontifex. Ein Kommentar.
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BerlinBenedikt XVI. ist der erste deutsche Papst seit 1523. Schon deshalb war seine Rede vor dem Deutschen Bundestag ein historischer Moment, der sich zu unseren Lebzeiten wahrscheinlich nicht wiederholen wird.  Mir hat besonders gut gefallen, dass der Papst bei seinem Deutschlandbesuch, an einen zentralen Punkt erinnert hat: Freiheit braucht die Rückbindung an eine höhere Instanz.

Nicht von ungefähr ist in der Präambel zum deutschen Grundgesetz von der „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ die Rede. Der ehemalige Verfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde schrieb, dass der freiheitliche, säkularisierte Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann. Das Gleiche hat der Ökonom Wilhelm Röpke in Bezug auf den Markt gesagt. Auch dieser lebe von geistigen Voraussetzungen, die er selbst nicht erzeugen könne. Daran muss in Zeiten zunehmender Säkularisierung immer wieder erinnert werden. Dass Benedikt XVI. dies in deutlichen Worten getan hat, dafür bin ich als Katholikin und Bundestagsabgeordnete sehr dankbar.

Ebenso finde ich richtig, dass der Papst auf die Vernunft als Quelle des Rechts hingewiesen hat. Er mahnte, die Politik müsse ein Mühen für Recht und Gerechtigkeit sein und die Grundlage für Frieden schaffen. Dies gilt ähnlich auch für die Wirtschaft: Gewinnstreben ist notwendig für den Erhalt der Unternehmen und Arbeitsplätze, und in der Wirtschaft muss dies kein Gegensatz zur Gerechtigkeit sein. Aber dafür braucht auch die Wirtschaft das Recht, sonst kann sie zur Räuberhöhle werden.

Marie-Luise Dött, MdB, ist Bundesvorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer.

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  • Ein alter Mann mit fistelnder Stimme steht in Frauenkleidern, mit roten Schuhen und einem roten Hut auf einer Bühne, und die Menge jubelt ihm zu. Wo spielt diese Szene: a) in Berlin im Olympiastadion b) in Berlin beim Christopher Street dDay

  • War ja im Grunde alles ganz nett, sein Vortrag über Recht und Gerechtigkeit und zum Schluss über Ökologie. Aber mir kam das alles eher vor wie ein großväterlicher Geschichtenerzähler. Schön zum anhören aber ohne den richtigen Wachrüttler.

  • Erst richtig recherchieren, bevor man unqualifiziert die Klappe aufreist! Insgesamt kostet die Papstreise mit den Stationen Berlin, Erfurt und Freiburg die deutschen Bistümer nach eigenen Angaben 25 bis 30 Millionen Euro. Die drei betroffenen Bundesländer sind für die Sicherheit des Papstes zuständig. Die Kosten effektiven Kosten für den Steuerzahler werden mit fünf Millionen Euro veranschlagt. Die Millionen für den Papstbesuch versickern nicht in Brandenburgs Steppen, Thüringens Auen oder im Schwarzwald, sondern kommt durch Aufträge und Investitionen ganz überwiegend dem Mittelstand zugute. Darüber hinaus bringen die Pilger Finanzkraft mit. Nach dem Madrider Weltjugendtag im August, der 50 Millionen kostete, bezifferte der örtliche Unternehmerverband die Einnahmen auf rund 160 Millionen Euro. Ein deutscher Papst wird von den eigenen Leuten diffamiert, das gibt es nur in Deutschland!

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